Anschlag auf deutschen Reichstag geplant?

Das BKA liefert den Begleittext zu De Maizières Terrorwarnungen

Die Erstquelle zur Nachricht, deren Überschrift beim deutschen Leser unwillkürlich Geschichte mitschwingen lässt - "Terroristen planen angeblich Anschlag auf Reichstag" - , was auch im ersten Satz noch nachklingt "Es wäre ein Sturmangriff auf das Herz der Demokratie", ist ein telefonierender Dschihadist.

An der anderen Leitung war das BKA. Der Inhalt des Gespräches, soweit er dem Nachrichtenmagazin Spiegel übermittelt wurde, ist ein Anschlagsplan mit oben genanntem Ziel. Den Informationen des austiegs-und daher redewilligen Gotteskriegers zufolge, liegt die Durchführung in der Hand eines "Terrorkommando(s) aus sechs Personen". Zwei sollen bereits vor sechs bis acht Wochen nach Berlin gereist und dort untergetaucht sein. Vier weitere Attentäter, die al-Qaida und verbündeten Gruppen zugerechnet werden, würden "noch auf ihre Abreise warten". Geplant sei der Anschlag im Februar oder März.

Dass der Nachricht eine besondere Dringlichkeit innewohnt, liegt auch an dem zweiten Warnhinweis, der dem ersten auf dem Fuße folgt. Dem liegt ein Fernschreiben an das BKA zugrunde. Der Inhalt laut Spiegel: "Eine schiitisch-indische Gruppe, die sich "Saif" ("Schwert") nenne, habe einen Pakt mit al-Qaida geschlossen und zwei Männer auf den Weg nach Deutschland geschickt, um hier einen Anschlag durchzuführen." Am 22. November würden sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet, um von dort aus, mit neuen Papieren, nach Deutschland zu reisen. Es gebe Indizien, dass daran ein Mann, der 54-jährige Waffenhändler Dawood Ibrahim,beteiligt sei, der als einer der Hintermänner der Terroranschläge in der indischen Metropole Mumbai gilt. "Das FBI und das BKA messen der Meldung große Bedeutung bei", die CIA, der BND und der deutsche Verfassungsschutz dagegen weniger, so die Nachricht.

Sie wird nun als Hintergrund für die Warnungen des deutschen Innenministers De Maizière vom Mittwoch serviert. Der Innenminister, der wochenlang angesichts wiederholter Terrordrohungen den Besonnenen gab, verließ diesen Kurs zur Wochenmitte und gab eine reichlich dramatische Terrorwarnung ab (siehe dazu Terrorwarnung: Alles höchst verdächtig!). Dass dies zeitlich verknüpft war mit der Innenministerkonferenz, die aus dem Bedrohungsszenario kernige politischen Forderungen zog (siehe Die Angst vor Terroranschlägen und anderen Verbrechen), macht skeptisch.

Zumal sich der Minister außerordentlich viel Zeit damit gelassen hat, die Bombendrohung aus Namibia zu entschärfen und den Koffer als "Realtest-Koffer" zu entlarven. Noch am Rand der Innenministerkonferenz in Hamburg soll er daran festgehalten haben, dass vieles dafür spreche, dass der Koffer für München bestimmt gewesen sei. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch bei Nachrichtensendungen im Rundfunk die Spekulation, dass es sich um einen Test handelte, als besonders "abwegig und schräg" bezeichnet.

So ist dem ganzen Orgelspiel der Angst immerhin eine wahre Note abzugewinnen: Das BKA meint es gut mit dem Innenminister und spielt die Begleitung.

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