Anti-PowerPoint-Partei zur Schweizer Nationalratswahl zugelassen

Hinter dem Antreten steckt möglicherweise vor allem ein kommerzielles Interesse

Am 23. Oktober wird in der Schweiz ein neuer Nationalrat gewählt. Im Kanton Zürich stehen dafür 30 Listen zur Auswahl, darunter erstmals auch eine Anti-PowerPoint-Partei (APPP), wie das Statistische Amt des Kantons gestern bestätigte. Die APPP sammelte mit 805 gut doppelt so viele Unterschriften wie dafür nötig waren. Für einen Einzug in den Nationalrat müssten drei Prozent der Wähler im Kanton Zürich für sie stimmen.

Parteiprogramm der APPP ist das 27 Euro teure Buch Der Irrtum PowerPoint. Verfasst hat es der Rhetoriktrainer Matthias Pöhm, der auch Parteigründer und Spitzenkandidat ist. Er sieht sich als "Vertreter von monatlich 250 Millionen Bürgern weltweit, die zwangsweise bei langweiligen Präsentationen anwesend sein müssen" und postuliert, dass diese Langeweile nicht am Redner, sondern am "Werkzeug" liegt. Mit seiner Wahlteilnahme will er nach eigenen Angaben "Aufmerksamkeit auf das Thema lenken", damit Menschen nicht weiter "aus Unwissenheit leiden", obwohl es "Gegenmittel" gibt.

Vertreter andere Parteien haben dagegen den Verdacht, dass die Aufmerksamkeit vor allem den Buchverkäufen Pöhms dienen dürfte. Raffael Herzog von der schweizerischen Piratenpartei äußerte gegenüber Telepolis angesicht der "offenbar kommerziell ausgerichteten Haltung" der APPP Befremden, meinte, aber, dass Kritik an der weit verbreiteten Nutzung von schlechten PowerPoint-Folien nachvollziehbar sei und eine bessere rhetorische Schulung "manchem Meeting zu mehr Produktivität verhelfen" würde. Als Alternative zu klassischen PowerPoint-Meetings empfiehlt er "progressivere Büro-Organisations-Modelle" wie die freie Wahl, ob man an einem Meeting teilnimmt oder nicht.