Anti-Roma-Texte auf Studentenfestival in Poznan

Geht es um die Verteidigung der Meinungsfreiheit oder um die Gewährung von Rassismus?

Über eine Band, die am 24. Mai auf der Juwenalia (Studententage) in Poznan (Posen) spielen wird, ist ein Streit zwischen der Gazeta Wyborcza und den studentischen Ausrichtern entbrannt.

"Und habe ich Dir nicht gesagt, mein Liebling, treibe doch bitte den Zigeuner ab", singt die Disco-Polo Kappelle "Bracia Figo Fagot", die sich seit 2010 mit launig-vulgären Texten und Disco-Folk eine treue Fangemeinde erspielt hatte.

Vertreter der Roma in Polen sowie einige Professoren der Universität Poznan schrieben einen Protestbrief an das Rektorat und die studentischen Organisatoren. "Ob sie es wollen oder nicht - wir treten auf", so konterte die Band auf ihrem Facebook-Profil.

Das Rektorat will die Entscheidung den Studenten überlassen und diese wittern eine Kampagne der Zeitung Gazeta Wyborcza, die über die Proteste erstmal berichtete. Die Organisatoren halten an dem Aufrtritt fest, da sie die Texte für einen Bestandteil der polnischen Kultur des Absurden ansehen, der von dem studentischen Publikum richtig interpretiert werden könne.

Es seien schon lange Bands mit provokanten Texten aufgetreten, doch dies habe die Zeitung bislang nicht interessiert. Vielmehr wären die Medien aktuell an einem Bild des unkultivierten Studentenlebens interessiert. Die Organisatoren haben jedoch die Band gebeten, das Wort "Student" mit dem Wort "Zigeuner" zu vertauschen. Ihr Pressesprecher verteidigte das Auftreten der Band auch mit dem Hinweis, dass man nicht mehr in den Zeiten der Volksrepublik lebe.

Anna Markowska, Sprecherin der örtlichen Roma-Vereinigung "Bahtale Roma" glaubt, dass solche Texte zu "Aggression und Aufruhr" führen können. Der zuständige Wojewode (in etwa Ministerpräsident) Piotr Florek hat heute sein Patronat für das Musikfestival zurück gezogen.

In Polen leben mehrere Gruppen, man geht von 35.000 Sprechern der Roma-Dialekte aus. Fast ein Drittel der Roma-Kinder nehmen nicht am Schulunterricht teil, in der polnischen Bevölkerung wird die Minderheit zumeist als Bettler und Musiker wahr genommen.

Die Gazeta Wyborcza, die Zeitung, die ursprünglich aus der Solidarnosc-Bewegung entstand, veröffentlichte kürzlich mehrere Artikel, die sich mit der Situation der Roma in Polen befassten. So ist derzeit ein Roma-Lager in Wroclaw (Breslau) von der Zwangsräumung bedroht. Die Zeitung wird für ihre kampagnenhafte, sehr engagierte Berichterstattung immer wieder von konservativen Polen kritisiert.

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