Arbeitnehmer sollen auf Urlaub für den Aufschwung verzichten

Unternehmerverband mittelständische Wirtschaft fordert, "wir" müssten auf Besitzstände wie Urlaub verzichten, um den Aufschwung zu fördern

Bild hat wieder einmal zugeschlagen und einen Aufreger inszenieren können. Gewonnen hat die Zeitung einmal nicht einen geltungswilligen Politiker, sondern Ursula Frerichs, die Vorstandsvorsitzende des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft.

Der Verband verspricht auf seiner Homepage "Visionen und schöpferische Ideen" und setzt sich für "geistige Veränderungen" ein, und in dem Sinne erklärte Frerichs der Bild, dass die deutschen Angestellten zu wenig arbeiten. Ihre Lösung: "Sechs Wochen sind zuviel, vier Wochen reichen völlig aus."

Weltweit würden deutschen Arbeitnehmer mit "40,5 Tagen" am meisten Urlaub in der EU haben, dass es immer mehr Arbeitnehmer gibt, die mit Zeitarbeitsverträgen etc. nicht so privilegiert sind, erwähnt sie nicht, kritisiert aber auch, dass zum Urlaub ja auch noch die Krankentage dazu kämen. Nach einer weltweiten Studie der Unternehmensberatung sind die Deutschen allerdings, Feiertage eingeschlossen, keineswegs Urlaubsmeister. Dort kommt man nicht auf 40,5 Tage, sondern auf 30 Tage, womit Deutschland zum Teil weiter hinter Finnland, Frankreich, Polen, Großbritannien, Dänemark, Schweden oder Norwegen rangiert.

Mit keinem Wort geht sie auch darauf ein, dass in Deutschland das Lohnniveau im Gegensatz zu anderen EU-Ländern Jahre lang nicht gestiegen ist, dagegen sanken die Lohnstückkosten pro Stunde, weiteten sich der Niedriglohnbereich und die prekäre Beschäftigung aus und legten die Einkommen an Gewinnen und Vermögen deutlich zu ( Schlechte Noten für den deutschen Arbeitsmarkt). Und das alles auch bereits, als es noch den Aufschwung vor der Finanzkrise gab.

Schön ist daher die Argumentation der Unternehmerin, "wir" müssten "unsere Besitzstände zurückschrauben". Bei diesem "Wir" sind freilich nur die Anderen gemeint. Die Angestellten sollten doch einmal "die Vier-Wochen-Regelung 2011 auf Probe einführen, um den Aufschwung zu unterstützen". Da müsste die Vorstandsvorsitzende wohl ein wenig besser argumentieren, um zu überzeugen, schließlich hat auch vom letzten Aufschwung die Mehrheit der Arbeitnehmer kaum etwas verspürt, dafür sind die Gewinne explodiert und das Geld wurde lieber mit hohen Profiterwartungen in die Finanzmärkte gepumpt, als investiert zu werden, was auch mit zur Finanzkrise beigetragen. Frerichs hingegen spricht reichlich plum davon, es sei nicht nachzuvollziehen, "dass Firmen Zeitarbeitskräfte einstellen müssen, während der eine oder andere Angestellte in seiner Urlaubszeit schwarz arbeitet". Die Ausweitung der Zeitarbeit geht sicherlich kaum allein auf den Urlaub zurück, aber so spielt man in bekannter Manier die Einen gegen die Anderen mit Scheinbegründungen aus.

"Der Mittelstand hat jetzt wieder volle Auftragsbücher, da wird jeder gebraucht", sagt Frerichs. "Deshalb sollte zur Sicherung des Aufschwungs der bezahlte Urlaub momentan auf fünf Wochen beschränkt bleiben." Schmackhaft könnt man dies den Arbeitnehmern sicherlich eher machen, wenn diese auch finanziell am Aufschwung beteiligt würden und nicht nur mehr arbeiten und weniger krank sein sollen. Nur ein Arbeitszeitkonto einzuführen, um bei schlechter Auftragslage den Urlaub zu nehmen, ist zwar ein kleines Angebot. Aber durchsichtig ist auch, dass eigentlich der Besitzstand Urlaub nicht nur vorübergehend, sondern auf Dauer reduziert werden soll.