Arktis 2015 eisfrei?

Schon um das Jahr 2015 herum könnte der arktische Ozean im Sommer eisfrei sein.

Das meint David Barber, der an der University of Manitoba in Kanada die Arktis erforscht. Barber hat in den letzten Monaten eine umfangreiche Messkampagne im hohen Norden koordiniert und wird in der kommenden Woche seine Ergebnisse auf einer internationalen Polarforscher-Konferenz in Quebec City vorstellen.

Das arktisch Meereis zieht sich gewöhnlich im Sommer zurück. Seit Beginn der Satellitenaufnahmen Ende er 1970er Jahren ist ein rückläufiger Trend in den sommerlichen Minima der Eisbedeckung feststellbar, der sich in den letzten Jahren erheblich beschleunigt hat. 2007 ist der Rückgang mit rund drei Millionen Quadratkilometer unter dem Mittel der Jahre 1978 bis 2000 besonders drastisch ausgefallen. 2008 ging das Eis nicht ganz so weit zurück, das Minimum lag mit minus zwei Millionen aber noch weit unter dem Schnitt und war das zweit niedrigste seit Beginn der Beobachtungen.

Eisbedeckung des Arktischen Ozeans aufgetragen über die Zeit und dargestellt als Abweichung vom jeweiligen auf das Datum bezogenen Mittelwert der Jahre 1978 bis 2000. Der negative Trend ist deutlich zu sehen.

Quelle: Polar Research Group, University of Illinois Urbana-Champaign

Nicht nur die Eisbedeckung nimmt ab, sondern auch die Dicke des Eises. Inzwischen ist ein großer Teil des Polarmeeres nur noch von dünnem einjährigen Eis bedeckt, das schneller abschmelzen und von den Winden zusammen geschoben werden kann. Sowohl die Temperatur, als auch die Winde sind Faktoren, die den Grad der Eisbedeckung bestimmen.

Eine Gruppe von Klimaforschern, die an verschiedenen Instituten in den USA und in Deutschland arbeiten, hat Mitte November in der US-amerikanischen Fachzeitschrift Geophysical Research Letters eine Erklärung für den starken Rückgang des Meereises veröffentlicht. Demnach haben sich in den letzten Jahren die Muster der atmosphärischen Zirkulation, wie Meteorologen es nennen, also der Verteilung der Hoch und Tiefdruckgebiete drastisch verändert. In der Folge hat es eine erhebliche Zunahme von starken Winden aus südlichen Richtungen gegeben, die relativ warme Luft weit über den Polarkreis hinaus nach Norden transportieren.

Die Autoren gehen davon aus, dass eventuell bereits ein Punkt ohne Wiederkehr erreicht sein könnte, das heißt, dass das Verschwinden des Meereises während des Sommers nicht mehr zu verhindern sein wird. Die Arbeit ist zudem ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Klimawandel nicht unbedingt kontinuierlich verläuft, sondern mitunter auch eher sprunghaft, wenn erst einmal bestimmte Schwellenwerte überschritten oder Mechanismen, wie hier zum Beispiel die veränderte durchschnittliche Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten, angestoßen sind.

Anzeige