Arktis: Meereis in besonders schlechtem Zustand

Bild: Patrick Kelley/ CC BY 2.0

Die Arktis erwärmt sich rund doppelt so schnell wie der Rest des Planeten. Das Ergebnis: Die Eisfläche schrumpft auch im Winter

Das Meereis in der Arktis ist weiter im schlechten Zustand. Im März hatte es – wie üblich – sein diesjähriges Maximum erreicht und befindet sich nun auf dem raschen Rückzug. Wie seit inzwischen vielen Jahren fiel das Maximum weit unterdurchschnittlich aus.

Insbesondere auf dem Beringmeer zwischen Alaska und Sibirien gab es in diesem Winter extrem wenig Eis – weniger als je zuvor –, aber auch die Barentsee nordöstlich von Skandinavien war wie schon in den Vorjahren nur gering bedeckt.

Eisausdehnung in den letzten Jahrzehnten. 2019 rot. (Bild: Alfred-Wegener-Institut, Lars Kaleschke)

Mit 14,55 Millionen Quadratkilometern fiel das diesjährige Maximum 880.000 Quadratkilometer geringer aus als der Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010, lag aber noch 260.000 Quadratkilometer über dem bisher niedrigsten Jahreshöchststand, ein Rekord, der erst im letzten Jahr aufgestellt worden war. Das geht aus den Daten des National Snow and Ice Data Center (NSIDC) der USA hervor.

Wie die Grafik des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung zeigt – dankenswerter Weise von Lars Kaleschke zur Verfügung gestellt, der dort über die Physik des Meereises forscht – fallen die jährlichen Maxima von Jahr zu Jahr geringer aus, auch wenn nicht in jedem Jahr ein neuer Minusrekord aufgestellt wird.

Und noch etwas macht die Abbildung deutlich. Das Eis zieht sich in den letzten Wochen besonders schnell zurück. Zur Zeit ist seine Ausdehnung so gering wie nie zuvor in den letzten 40 Jahren im April. Seit Ende der 1970er Jahren liegen entsprechende Satellitenbeobachtungen vor.

Eisbedeckung auf den nördlichen Meeren. Die blaue Linie gibt die Werte für die Saison 2018/19 wieder, die durchgezogene graue Linie gibt den Mittelwert für die Jahre 1981 bis 2010 an. Die gestrichelte Linie zeigt die Bedeckung in 2011/12. (Bild: National Snow and Ice Data Center.)

Die zweite Grafik vom NSIDC zeigt die aktuelle Eisbedeckung im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1981 bis 2010 und zur Saison 2011/2012. Letztere ist insofern interessant, als die Eisbedeckung im September 2012 auf ihren bisherigen historischen Tiefstand absackte und weite Teile des Arktischen Ozeans freigab.

Wie man sieht, sind derzeit die Bedingungen im Hohen Norden für das Eis noch erheblich schlechter als in jenem Rekordjahr, was für langjährige Beobachter besorgniserregend, aber nicht überraschend ist. Die Hohen Breiten erwärmen sich nämlich rund doppelt so schnell wie das langjährige Mittel.

In den letzten Wochen lagen in Teilen der Arktis die Temperaturen sogar um zehn und mehr Grad Celsius über den für diese Jahreszeit normalen Werten. Normal heißt in diesem Fall gemessen am Mittelwert der Jahre 1979 bis 2000.

Allerdings sagt der derzeitige Stand der Eisausdehnung noch nicht, dass der Eisschwund in diesem Jahr auf jeden Fall auf einen neuen Rekord zustrebt. Die Startbedingungen sind sehr schlecht, aber wie viel des arktischen Ozeans im August und September eisfrei sein wird, hängt auch von den Temperaturen und Windstärken im Mai, Juni und Juli ab.

Technischer Hintergrund

Den Unsicherheitsfaktor für das jährliche Maximum gibt das NSIDC mit +/-34.000 Quadratkilometer an. Die Eisbedeckung wird aus der Abstrahlung des Eises und des offenen Wassers im Mikrowellenbereich berechnet, die mit Satelliten des US Defense Meteorological Satellite Program aufgefangen wird.

An Bord der Satelliten scannen von der NASA entwickelte Sensoren die einzelnen Planquadrate ab. Ergibt die Analyse, das in einem Planquadrat 16 Prozent oder mehr Eis ist, so wird dieses der Eisbedeckung zugerechnet. Die Methode kann in Küstennähe mitunter fehlerhaft sein, weshalb die Daten mit zusätzlichen Informationen, unter anderem auch von Wetterstationen und Schiffsmeldungen, abgeglichen werden.

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