Arktis: Neuer Minusrekord erreicht

Schon in wenigen Jahren könnte der arktische Ozean im Spätsommer zum offenen Meer werden

In der Arktis hat das Meereis auf dem dortigen Ozean offensichtlich sein diesjähriges Minimum erreicht und wächst seit einige Tagen wieder. In diesem Jahr war der Rückgang besonders dramatisch und legte weite Teile des Meeres vor den Küsten Sibiriens, Alaskas und Kanadas frei.

Wie das National Snow and Ice Data Center ( NSIDC) der USA vermeldet, betrug das Eisgebiet – jene Fläche, die zumindest 15 Prozent mit Eis bedeckt ist - am 16. September nur noch 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das waren gut 18 Prozent weniger als 2007, dem bisherigen Rekordjahr. Im Durchschnitt der Jahre 1979 bis 2010 betrug die jeweils geringste Ausdehnung des Eisgebiets 6,14 Millionen Quadratkilometer.

Anders als 2007 war nicht ungewöhnlich warmes Wetter mit besonders viel Sonnenschein für den starken Rückgang verantwortlich. Vielmehr wird das Meereis immer dünner und kann daher im Sommer leichter vollständig abtauen. Der negative Trend ist sowohl in Eisdicke als auch in der Eisfläche markant und wird aller Voraussicht nach spätestens im nächsten Jahrzehnt dazu führen, dass der Arktische Ozean im September gänzlich frei ist.

(Bild: NSIDC)

Das Fatale an dieser Entwicklung ist, dass dadurch mehr Wärmeenergie im Klimasystem aufgenommen wird. Das Meereis wirft im Sommer, wenn die Sonne im Norden rund um die Uhr scheint, im Durchschnitt rund 60 Prozent der einfallenden Energie direkt zurück in den Weltraum, Wasser hingegen nur einige wenige Prozent. Ist das Eis also weg, kann sich das bisher von ihm isolierte Wasser aufwärmen.

Damit werden auch die unteren Luftschichten erwärmt und letztlich auch die umliegenden Küstenregionen. Das Problem dabei: Dort ist der Boden bisher ganzjährig gefroren. Es ist so genannter Permafrostboden. Der taut nun auf, wie bereits beobachtet wird, was nicht nur erhebliche Probleme für die Infrastruktur im hohen Norden darstellt, sondern auch für das globale Klima. Im Permafrost sind nämliche große Mengen organischen Materials gespeichert, die nun zersetzt werden. Dadurch entstehen Methan und Kohlendioxid, zwei Treibhausgase, die die globale Erwärmung weiter verstärken.

In der Klima-Lounge hat Anders Levermann, der in Potsdam Dynamik des Klimasystems lehrt, einige Grafiken zusammengestellt, die anschaulich zeigen, wie sehr das Meereis in den letzten Jahrzehnten geschrumpft ist. Außerdem beschreibt er etwas ausführlicher die Folgen des Eisrückgangs.

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