Asien koppelt sich ab

Ost- und Südostasien baut alte Abhängigkeiten vom Westen ab

Die südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN, will einen gemeinsam mit Japan, China und Südkorea unterhaltenen Krisenfonds von 80 Milliarden auf 120 Milliarden US-Dollar aufstocken. Auf den Fonds haben die Mitglieder Zugriff, wenn sie in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Er soll sie außerdem gegen zu starke Währungsschwankungen schützen.

Der Fonds war nach der Asienkrise eingerichtet worden, in der verschiedene ost- und südostasiatische Länder katastrophale Erfahrungen mit den Krediten des IWF gemacht hatten. Dessen Auflagen, die unter anderem vom heutigen US-Finanzminister Timothy Geithner formuliert worden waren, hatten seinerzeit in Südkorea, Indonesien und anderen Staaten die Krise erheblich verschärft und Millionen Menschen in bittere Armut gestoßen.

Der ASEAN gehören Thailand, Myanmar (Burma), Vietnam, Laos, Kambodscha, Malaysia, Brunei, Singapur, die Philippinen und Indonesien an. Bis 2015 soll nach dem Vorbild der EU ein gemeinsamer Wirtschaftsraum geschaffen werden.

Unterdessen gewinnt der Handel zwischen China und der ASEAN zunehmen an Bedeutung. Nächstes Jahr wird ein gemeinsames Freihandelsabkommen in Kraft treten, und Chinas stellvertretender Handelsminister Gao Hucheng geht davon aus, dass die ASEAN demnächst Japan als drittwichtigster Handelspartner der Volksrepublik ablösen wird. (Die beiden wichtigsten sind die EU und die USA.) 2008 hatte das Handelsvolumen zwischen China und der ASEAN 231,12 Milliarden US-Dollar betragen, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 14 Prozent entsprach.

Soviel wird der Warenaustausch in diesem Jahr mit Sicherheit nicht zulegen, aber bei der Weltbank ist man immerhin optimistisch, dass China seine südlichen Nachbarn aus dem Konjunkturtal herausziehen werde. In der Volksrepublik seien bereits deutliche Zeichen zu erkennen, dass das Vier-Billionen-Yuan-Rettungspaket (ca. 470 Milliarden Euro), mit dem dem Binnenmarkt Beine gemacht werden, wirkt. Strom- und Eisenproduktion zeigten bereits deutliche Erholung und Mitte des Jahres könne der Tiefpunkt der chinesischen Konjunktur überwunden sein.

Interessant ist an der Entwicklung, dass damit in der Region 200 Jahre europäisch-US-amerikanische ökonomische Dominanz zu Ende geht. Noch zu Zeiten der Asienkrise 1997/98 hatten die Länder der Region, selbst die seit langem kooperierenden ASEAN-Staaten kaum einen nennenswerten Warenaustausch miteinander. Alle Handelsströme gingen nach Nordamerika und Westeuropa oder kamen von dort. Lediglich Japan spielte noch eine gewisse Rolle. Seit dem hat die ökonomische Integration ASEANs erheblich zugenommen und auch China verabschiedet sich langsam von seiner alleinigen wirtschaftlichen Fixierung auf die Märkte in der EU und in den USA.

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