Asyl für US-Deserteur gefordert

Weil er den Einsatz im Irak verweigert hat, droht dem Mann eine Haftstrafe wegen Fahnenflucht. Kriegsgegner hoffen auf eine positive Entscheidung im Asylverfahren als "friedenspolitisches Signal"

Über 100 Organisationen aus der Friedensbewegung Deutschlands und den USA setzen sich in einem Aufruf für André Shepherd ein, den ersten US-Bürger, der in Deutschland Asyl begehrt.

Zurzeit lebt er in einem Flüchtlingsheim in Baden-Württemberg in der Nähe von Rastatt und darf den Landkreis nicht verlassen. Denn Shepherd unterliegt, wie alle Asylbewerber in Deutschland, der Residenzpflicht. Im November 2008 hat er den Asylantrag gestellt.

Zuvor hatte er den Einsatz als Hubschraubermechaniker im Irak verweigert. "Bei einer weiteren Beteiligung wäre ich verantwortlich für zahlreiche völkerrechtswidrige Handlungen. Für mich war daher der Weg eindeutig: Ich musste raus aus dem Militär", begründet er seinen Schritt. In den USA droht ihm eine Haftstrafe wegen Desertion. In seinen Asylantrag beruft er sich auf eine Richtlinie der Europäischen Union, die im Oktober 2006 in Kraft getreten ist. Danach sollen Menschen geschützt werden, die sich einem völkerrechtswidrigen Krieg oder völkerrechtswidrigen Handlungen entziehen und mit Verfolgung rechnen müssen.

"Eine positive Entscheidung im Asylverfahren wäre ein friedenspolitisches Signal und eine Ermutigung an andere Soldaten, bei den Kriegshandlungen im Irak oder Afghanistan nicht mehr mitzumachen", erklärt Monty Schädel von der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner.

Deshalb sei die Forderung nach einem Asyl für Sherpherd bewusst am 1.September, dem Internationalen Antikriegstag, veröffentlicht worden. Der Aufruf wird auch von Organisationen unterstützt, die sich schon während des Vietnamkrieges für desertierte US-Soldaten eingesetzt und in Westdeutschland Unterstützer-Netzwerke aufgebaut hatten. In den letzten Jahren hatten schon einige US-Soldaten auf deutschen US-Stützpunkten den Einsatz in Afghanistan oder den Irak verweigert. Sie hatten allerdings keine Möglichkeit, einen Asylantrag zu stellen und mussten in den USA vor ein Militärgericht.

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