Atomenergie ist ein Auslaufmodell

Fukushima hat den trotz der ausgerufenen nuklearen Rennaissance bereits laufenden Ausstieg nur verstärkt

Die nukleare Renaissance war nur kurz aufgeflammt. Zwar war sie eher nur ein Aufflackern, das Unglück in Fukushima hat aber nicht nur in Deutschland dazu geführt, dass Atomenergie eher zum Auslaufmodell wird.

Nach dem World Nuclear Industry Status Report 2012 leidet die Branche allerdings nicht nur unter dem Eindruck der japanischen Atomkatastrophe, sondern auch unter der globalen Wirtschaftskrise, der Konkurrenz anderer Energiequellen, vornehmlich Gas und Erneuerbare, und eigenen Planungs- und Managementproblemen. Dass es keine nukleare Renaissance gab, zeigt alleine schon die Tatsache, die Fukushima natürlich verstärkt hat, dass 2011 nur 7 Reaktoren ans Netz gingen, aber 19 abgeschaltet wurden. 2012 gingen 2 ans Netz, 2 wurden abgeschaltet. Allerdings haben nur vier Länder beschlossen, aus der Atomenergie endgültig auszusteigen: neben Deutschland auch Belgien, die Schweiz und Taiwan. 5 Länder haben die geplanten Reaktorbaupläne wieder revidiert: Italien, Ägypten, Jordanien, Kuwait und Thailand. Seit Rumänien (1996) hat nur der Iran ein (unerwünschtes) Atomenergieprogramm gestartet.

In Japan und Bulgarien wurde der Bau von zwei Reaktoren abgebrochen. Neubaupläne wurden in Brasilien, Frankreich, Indien und den USA gestrichen, in den Niederlanden, in Großbritannien und in den USA haben sich Konzerne von Neubauplänen verabschiedet. Die Zulassung von neuen Reaktortechnologien wurde vielfach hinausgeschoben. Auch der Baubeginn von neuen Reaktoren wurde verschoben, vor allem in China, aber auch in Finnland, in Armenien und in den USA. Von den weltweit 59 im Bau befindlichen Reaktoren sind mindestens 18 um Jahre hinter ihrem Fertigstellungstermin, bei den restlichen lässt sich dies nicht einschätzen. Den Rekord hält der Reaktor Watts-bar-2 in den USA, dessen Bau 1973 gestartet ist und dessen Fertigstellung auf 2015 oder 2016 veranschlagt wird.

Der Bau von neuen Reaktoren wird in der Regel sehr viel teurer als erst einmal geplant, was die Atomenergie auch nicht gerade attraktiv macht. Dazu wurden 7 von 11 Atomkonzernen von den Ratingagenturen abgestuft, was auch nicht sonderlich hilfreich ist. Moody's begrüßte denn auch den Aussstieg von E.On und RWE aus dem britischen Atomprogramm. Nicht nur Tepco, sondern auch fast alle anderen Konzerne haben unter teils enormen Börsenverlusten zu leiden. So verloren die Aktien der französischen Konzerne EDF und AREVA 82 bzw. 88 Prozent ihres Werts ein.

Dass die Atomreaktoren aussterben, zeigt auch das Durschnittsalter von 27 Jahren. Geht man von einer Betriebszeit von 40 Jahren aus, müssten bis 2020 zusätzlich zu den jetzt im Bau befindlichen Reaktoren 67 weitere oder 35 GW gebaut werden, alleine um den Status quo zu erhalten. Die Zeit der Atomenergie geht dem Ende zu.

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