Atomkraft: EDF geht die Luft aus

Frankreichs Atomstromer weiß nicht, wo er das Geld für den geplanten Neubau in Großbritannien hernehmen soll

Beim französischen Atomstromer EDF quält man sich mit einer Entscheidung über Investitionen in ein neues britisches Atomkraftwerk. Ende Januar berichtete der Sender BBC, der Startschuss für ein neues AKW im Südwesten des Landes sei schon wieder verschoben worden. Anfang Februar klagte EDF-Chef Jean-Bernard Levy über zu niedrige französische Strompreise, die allen potenziellen Bauherren neuer Kraftwerke derzeit Kopfschmerzen bereiten würden. In Frankreich ist der Großhandelspreis für die Kilowattstunde in den letzten Wochen unter drei Cent gefallen.

In einem solchen Umfeld werfen die alten AKW – obwohl meist abgeschrieben – weniger Geld als erwartet ab, sodass man bei EDF nicht recht weiß, wo das Kapital für den umstrittenen Neubau in Großbritannien herkommen soll. Neben das dortige AKW Hinkley Point in Cornwall am Bristol Channel sollen mit chinesischer Beteiligung zwei neue Reaktorblöcke gebaut werden.

Die Baukosten werden zur Zeit auf 18 Milliarden Pfund (umgerechnet 23,6 Milliarden Euro) geschätzt. Der österreichische Standard schreibt gar von 30 Milliarden Euro. Ursprünglich war der Betriebsbeginn bereits für 2018 vorgesehen, doch bei EDF ziert man sich noch immer, grünes Licht für die Investition zu geben. Vor allem von den sechs Gewerkschaftsvertretern im 18köpfigen Ausichtsrat des Unternehmens giibt es Widerstand. Diese sehen den Konzern durch das Projekt bedroht.

Dabei hat die ansonsten ganz dem Wirtschaftsliberalismus verschriebene konservative Regierung in London dem französischen Staatskonzern schon mit allerlei Subventionszusagen einen reichlich dicken roten Teppich ausgerollt. 12 Cent pro Kilowattstunde werden den Betriebern für 35 Jahre garantiert. Dieser Preis wird zudem noch an die Inflation angepasst werden. In einer Beschwerde gegenüber der EU-Kommission haben sich deutsche Betreiber erneuerbarer Energieträger mokiert, die Atomkraft solle vor dem Wettbewerb geschützt werden.

Der britischen Regierung geht es indes um Ersatz für die Altanlagen. Schon zum Jahresende hatte im britischen Landesteil Wales das AKW Wylfa geschlossen, wie der Guardian berichtet. Mit 44 Jahren Laufzeit handelte es sich um den dienstältesten Reaktor des Landes. Laut Guardian werden die meisten britischen AKW in den nächsten Jahren bis 2023 folgen. Dass bis dahin auch nur ein einziges neues AKW am Netz sein wird, ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich.

Nach den Zahlen der Internationalen Atomenergieagentur gibt es bereits 81 Methusalemreaktoren, die 40 Jahre oder länger laufen. In den USA hat, wie berichtet, derzeit einer von ihnen Schwierigkeiten, das Wasser zu halten. Insgesamt sind weltweit 442 Atommeiler im Betrieb, wobei die IAEA allerdings auch Japans seit Jahren stillstehende AKW-Flotte mitzählt.

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