Atomkraft: Teurer, später, riskanter

Areva schreibt Verluste und muss auf Staatszuschüsse hoffen. Flamanville-Fertigstellung erneut verschoben. Briten kommen Zweifel

Frankreichs überwiegend staatlicher AKW-Hersteller Areva strauchelt. Von zwei Milliarden Euro ist die Rede, die der Steuerzahler zuschießen muss, um eine Pleite zu verhindern. Schuld ist unter anderem die inzwischen legendäre Kostenexplosion auf der finnischen AKW-Baustelle Olkiluoto. Derzeit schätzt Areva den Verlust, den es mit dem dortigen Projekt machen wird, auf 3,9 Milliarden Euro. Anfang September war das Datum für die geplante Inbetriebnahme um weitere zwei Jahre nach hinten verschoben worden. 2018 werde der neue Reaktor ans Netz gehen, heißt es nun. Ursprünglich war einmal von 2009 die Rede gewesen.

In dem finnischen Küstenstädtchen wird der einst mit viel PR-Fanfaren gefeierte EPR (European Pressurized Reactor) gebaut, der der Gemeinde AKW-Fans noch vor zehn Jahren als die große Hoffnung der europäischen Atomindustrie galt. Außer dem Standort in Skandinavien gibt es nur noch eine weitere europäische EPR-Baustelle, und zwar im französischen Flamanville, an der Küste gegenüber den britischen Kanalinseln gelegen.

Auch da scheint es für Areva alles andere als rund zu laufen. 2012 hatte man ursprünglich bereits fertig sein wollen, doch letzte Woche wurde die Fertigstellung erneut um ein Jahr verschoben. Nun wird davon ausgegangen, dass der kommerzielle Betrieb 2017 aufgenommen wird, zehn Jahre nach Baubeginn. Areva habe Schwierigkeiten mit dem Kessel und der Qualität von Schweißarbeiten, hieß es seitens des Bauherren EDF (Eletrcité de France, ebenfalls überwiegend staatlich).

Auf der anderen Seite des Kanals, in Großbritannien, macht man sich derweil Gedanken, was das alles für die dortigen Atompläne bedeutet. An die Küste der Grafschaft Somerset im Norden von Cornwall, die erst im letzten Winter von schweren Sturmfluten gebeutelt worden war, will EDF zwei EPR bauen, die einst zusammen 3,2 Gigawatt Leistung bereit stellen sollen. 2017 sei es so weit, hieß es noch vor vier Jahren. Inzwischen wird von einer Inbetriebnahme in 2023 ausgegangen, aber noch ist kaum der erste Spatenstich getan.

Die britische Zeitung Guardian zitiert eine Schätzung der EU-Kommission, wonach die Bauherren 31,5 Milliarden Euro werden ausgeben müssen. Zehn Prozent davon wird die klamme Areva selbst schultern, denn der Konzern ist beim Hinkley-C-Unternehmen der Junior Partner von EDF. Mit im Boot ist auch ein staatliches chinesisches Unternehmen, das aber offensichtlich gerade versucht, einen Teil seiner Anteile abzustoßen. Käufer könnten Investoren aus Saudi-Arabien werden. Allerdings mehren sich inzwischen in Großbritannien die Stimmen, die den ökonomischen Sinn des Baus in Frage stellen.

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