Atomstrom unbezahlbar

Tepco beantragt Staatsknete. Auch deutsche Konzerne haben keine ernsthaften Rücklagen für den Fall einer Kernschmelze

Fukushima-Betreiber Tepco hat staatliche Hilfen beantragt, weil das Unternehmen nicht mehr alleine mit den Schäden und Haftung nach der Reaktorkatastrophe klar kommt. Dafür muss es sich einer strengen staatlichen Aufsicht unterordnen. Verstaatlichen will die Regierung aber offensichtlich nicht. Nach Schätzung der US-Bank Merill Lynch sieht sich das Unternehmen Schadenersatzansprüchen in Höhe von 136 Milliarden US-Dollar gegenüber.

Laut Wikipedia ist Tepco der größte Energiekonzern Japans und weltweit nach E.on, EDF und RWE die Nummer vier (ganz nebenbei sieht man an dieser Liste übrigens wie einzigartig die hiesige hohe Machtkonzentration auf dem Stromsektor ist). Dass selbst ein Konzern wie Tepco nicht in der Lage ist, mit den Folgen einer Reaktorkatastrophe fertig zu werden, wirft ein besonderes Licht auf die gesetzlich gewollte Unterversicherung deutscher Atomkonzerne.

Wie berichtet hat eine Studie im Auftrag des Bundesverband Erneuerbare Energien ( BEE), die heute der Presse in Berlin vorgestellt wurde, einmal mehr demonstriert, wie unbezahlbar Atomstrom ist.

Versicherungsmathematiker haben für den BEE ausgerechnet, wie hoch die Kosten wären, wenn die AKWs nicht nur über 2,5 Milliarden Euro, sondern bis zur vollen notwendigen Deckungssumme versichert werden müssten. Diese hängt sowohl davon ab, ob die AKW einzeln oder alle gemeinsam bei einem Unternehmen versichert werden, als auch von der Zeit, über die die Deckungssumme aufgebaut wird.

Setzt man für letzteres zehn Jahre an, so gibt sich auf der Grundlage der Atomstromproduktion von 2009 bei einer Einzelversicherung der AKWs der sagenhafte Preis von 67,3 Euro pro Kilowattstunde. Organisieren die Betreiber einen gemeinsamen Versicherungsschutz, so wären es noch immer beachtliche 3,96 Euro/KWh. Billiger kann es höchsten werden, wenn für den Aufbau der Deckung 50 oder 100 Jahre angesetzt werden, aber das ist unrealistisch lang.

Markus Rosenbaum, Geschäftsführer der Versicherungsforen, betonte bei der Vorstellung der Studie in Berlin, dass AKWs bei derartigen Prämien nicht zu versichern seien. Letztlich müsse die Gesellschaft die Folgen tragen und entscheiden, ob sie das wolle.

Zum Vergleich: Den 3,92 Euro/KWh stehen 0,092 Euro/KWh (Land) bzw. 0,15 Euro/KWh (See) gegenüber, die der Betreiber einer Windkraftanlage bekommt. Für Strom aus Fotovoltaik werden die Kosten bei Anlagen, die ab dem 1. Januar 2011 ans Netz gehen, je nach Anlagengröße und Standort, zwischen 0,2111 und 0,2874 Euro/KWh geschätzt.

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