Auch Iran schickt Schiffe mit Hilfsgütern nach Gaza

Ein Schiff mit "Nahrungsmittel, Baumaterial und Spielzeugen", aber "ohne Friedensaktivisten", soll kommende Woche Kurs auf Gaza nehmen

Was genau am frühen Morgen des 31. Mai an Bord der Mavi Marmara passiert ist, bleibt strittig. Ob die zum Teil aus allernächster Nähe abgegebenen Schüsse der israelischen Marinesoldaten auf die Passagiere des Free-Gaza-Schiffs, die zum Tod von neun türkischen "Friedensaktivisten" führten, ein Akt der Selbstverteidigung und Notwehr gegen mit Stöcken und Messer bewaffnete Angreifer waren, die sich, wie israelische Regierungsvertreter behaupten, planmäßig auf ihre Aktion vorbereiteten oder ob das Vorgehen der israelischen Soldaten in internationalen Gewässern ein brutaler Akt war, der wieder einmal vorführte, wie unverhältnismäßig israelische Streitkräfte vorgehen - beide Positionen werden auch durch die einstündige Filmdokumentation des Vorfalls, die seit gestern im Web zu sehen ist, ihre jeweiligen Argumente zu stützen wissen.

Zwar mag Hamas-Experte Joseph Croitoru in der FAZ eher die israelische Sichtweise durch das Filmmaterial bestätigt wissen, doch bleibt davon unbenommen die grundsätzliche Frage - ob man die Schiffe, die auf humanitärer Mission waren, nicht anders hätte aufhalten können. Sogar Bernard-Henri Levy, unermüdlicher Verteidiger und Lobpreiser der humanen IDF, bleibt dabei, dass diese Frage von Israel anders hätte beantwortet werden können.

Während Kritiker darauf verweisen, dass die eben nicht internationale, sondern interne, maßgeblich von Israel unternommene Untersuchung der Ereignisse auf der Mavi Marmara nur parteische Antworten liefern wird, die zur Sichtweise der Regierung Netanjahu passen, will nun auch Iran einen praktischen Beitrag zur Gaza-Krise liefern: Schiffe mit Hilfsgütern für Gaza, berichtet Al-Jazeera, gestützt auf entsprechende Meldungen der halbamtlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr. Das erste soll kommende Woche auslaufen.

Ein Reuters-Bericht in der israelischen Zeitung Ha'aretz berichtet davon, dass ein iranisches Schiff mit "Nahrungsmittel, Baumaterial und Spielzeugen" bereits am Sonntag ausgelaufen sei und ein weiteres an diesem Freitag auslaufen wird. Dazu wird ein Vertreter der "iranischen Gesellschaft für die Verteidigung der palästinensischen Nation" mit den Worten zitiert, dass Iran solche Schiffsladungen solange schicken werde, bis die Gaza-Blockade aufgehoben wird.

Während der Reuters-Bericht auf die provokante Ladung dieser Meldung abhebt und nichts über den Kurs der Schiffe erfahren lässt, berichtet al-Jazeera, dass das erste Schiff den iranischen Hafen Khorramshahr im Laufe dieser Woche verlassen soll und "über Oman, den Jemen und Ägypten" Gaza erreichen will, also über einen ganz anderen Weg als die Free-Gaza-Flotte. Der geöffnete ägyptische Grenzübergang zum Gazastreifen stößt in Israel währenddessen auf größere Sicherheitsbedenken. Wie der Chef des Geheimdienstes Shin Beit, Yuval Diskin, warnte heute davor, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben. Es gebe dort keine humanitäre Krise.

"Ich habe gar kein Problem damit, den Transfer von Gütern aus Israel zu erleichtern. Aber gerade im Moment werden vom Sinai aus Waffen hinein geschmuggelt." Yuval Diskin

Das iranische Schiff werde nur humanitäre Hilfsgüter an Bord haben, keine Friedensaktivisten, zitiert der arabische Sender die iranische Nachrichtenagentur. Ein zweites Schiff soll später von Istanbul aus starten, über den Kurs dieses Schiffes gibt es keine Einzelheiten.

Vergangene Woche kursierten Meldungen, wonach eine iranische Hilfsorganisation, eine Abteilung des "Red Crescent", Schiffe zum Gazastreifen schicken wolle - mit Revolutionären Garden als Begleitschutz. Davon ist nun keine Rede mehr:

"But the Guards' deputy head, Hossein Salami, said there were no plans to do so. 'Such a thing is not on our agenda,' he was quoted as saying by the official IRNA news agency on Monday."

Betont wird in der Ha'aretz-Meldung, dass sich 100 000 Iraner als Freiwillige für die Crew der Hilfsschiffe beworben hätten.

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