Auch Italien will neue Atomkraftwerke

Nur die Atomkraft könne langfristig sichere Energie zu geringen Kosten liefern, meint die neue italienische Regierung.

Der neue Minister für wirtschaftliche Entwicklung hat das richtige Forum für die Ankündigung gewählt. Vor dem Arbeitgeberverband Confindustria erklärte Claudio Scajola, dass Italien noch in dieser Legislaturperiode mit dem Bau moderner Atomkraftwerke beginnen werde. Nur die Atomkraft liefere "langfristig Energie in einer sicheren Weise, zu günstigen Preisen und beachte dabei die Umwelt". Da hat man in der neuen Regierung von Silvio Berlusconi wohl vergessen, dass im Jahr nach dem Unfall im Atomkraftwerk von Tschernobyl in der Ukraine im April 1986 sich das Land per Referendum für den Ausstieg aus der Atomkraft aussprach. Nach dem Supergau wurden die vier italienischen Atommeiler vom Netz genommen.

Die Industriellen waren jedenfalls begeistert, schließlich winken nun Milliardenaufträge: "Noch in dieser Legislaturperiode werden wir den Grundstein für den Bau einer Reihe von Atomkraftwerken der neuen Generation in unserem Land legen", sagte Scajola. Es sei an der Zeit, dass Italien zur Atomkraft zurückkehre, da das Land in seiner Energieversorgung zu sehr vom Ausland abhängig sei, sagte die Präsidentin des Arbeitgeberverbandes, Emma Marcegaglia.

Auch mit der Entsorgung von Atommüll werde sich die Regierung befassen, versicherte Scajola. Denn auch er weiß, dass nirgendwo die leidige Frage des hochradioaktiven Mülls gelöst ist, der seit Jahrzehnten angehäuft wird. Besonders glaubhaft klingen solche Versprechen ohnehin aus einem Land nicht, das nicht einmal mit dem Hausmüll zurechtkommt und nun schnell Deponien errichten will, die unter dem Schutz des Militärs gestellt werden sollen.

Für die Atomkraft winken die Angebote von Nicolas Sarkozy, der den ERP) zum Rekordschlager und Frankreich damit zur Energiegroßmacht machen will. Hier bahnt sich ein Streit mit dem italienischen Energiekonzern Enel an. Deren Chef Fulvio Conti sagte, seine Firma sei technisch für den Bau von Atomkraftwerken gerüstet.

Ob neue Atomkraftwerke sichere und günstige Energie liefern werden, darf bezweifelt werden. Ein Blick nach Finnland reicht, wo es große Probleme beim Bau des EPR gibt. Mit den günstigen Preisen funktioniert das auch nur, wenn man die Folgekoste weiter auf die kommenden Generationen abwälzt. Mittelfristig muss sogar mit großen Plänen bei der Versorgung mit Uran gerechnet werden, vor allem, wenn es zu dem geplanten Atomboom kommt. In der EU werden in Frankreich und Finnland schon neue Anlagen gebaut. Neben Großbritannien will nun auch ausgerechnet das sonnenreiche Italien die Renaissance der Atomkraft, das leicht die Stromversorgung aus regenerativen Quellen leisten könnte.

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