Auch die größte Bank der USA schließt sich dem Boykott von WikiLeaks an

Es wird vermutet, dass WikiLeaks Anfang 2011 Dokumente über Geschäftspraktiken der größten US-Bank veröffentlichen wird

WikiLeaks hat angekündigt, dass Anfang des nächsten Jahres Dokumente veröffentlicht werden, die über unethische Praktiken einer großen amerikanischen Bank Auskunft geben. Gerätselt wird natürlich, um welche Bank es sich handeln könnte. Der Tipp ist, dass es die Bank of America sein könnte, zumal Assange in einem Interview 2009 schon behauptet hatte, er sei im Besitz einer 5GB-Festplatte eines führenden Managers der Bank.

Die Entscheidung der größten US-Bank, nun nach Visa, MasterCard und PayPal ebenfalls keine Zahlungen mehr an WikiLeaks durchzuführen, könnte möglicherweise schon eine vorauseilende Bestätigung dafür sein. Die Bank of America erklärte am Freitag, sie schließe sich den anderen Finanzinstituten an, weil man der Überzeugung sei, "dass WikiLeaks in Aktivitäten verstrickt ist, die u.a. mit unseren internen Richtlinien für die Bearbeitungen von Zahlungen nicht übereinstimmen".

Eine weitere Begründung wird nicht angeführt, ähnlich Gründe hatten auch die anderen Unternehmen für ihren Boykott genannt, der aber vermutlich auf den Druck der Politik zurückzuführen ist, beispielsweise auf den Heimatschutzausschuss des Senats, dessen Vorsitzender Joe Lieberman ist. Der hat schon einem die Verurteilung von Assange nach dem Spionagegesetz gefordert, zudem würde er auch gerne gegen die New York Times vorgehen, die wie andere Medien WikiLeaks bei der Veröffentlichung der Dokumente unterstützt hat. Auch die demokratische Senatorin und Vorsitzende des Geheimdienstauschusses Dianne Feinstein ist der Überzeugung, dass Assange nach dem Spionagegesetz angeklagt werden kann. Justizminister Holder scheint hingegen die Linie zu verfolgen, Assange der Verschwörung anzuklagen, wenn Bradley gegen ihn aussagt.

US-Vizepräsident Biden machte in einem Interview mit CBS deutlich, dass die US-Regierung WikiLeaks als Bedrohung empfindet. Die Veröffentlichung der Depeschen habe den USA geschadet und Menschenleben gefährdet, wiederholte er. Assange habe es der Regierung schwerer gemacht, "unser Geschäft mit unseren Alliierten und Freunden auszuführen". So würden sich Regierungschefs nun lieber alleine mit ihm treffen wollen.

WikiLeaks schießt zurück und fordert alle auf, die Bank of Amerika ihrerseits in Solidarität zu boykottieren: "Does your business do business with Bank of America? Our advise is to place your funds somewhere safer." Assange hat den Versuch, WikiLeaks und ihn selbst finanziell auszutrocknen, "einen neuen Typus des ökonomischen McCarthyism in den USA" genannt. Damit wolle man ihm die Gelder vorenthalten, die er benötigt, um seine Anwälte zu bezahlen. Überdies sagt Assange, der mittlerweile unter Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen wurde und sich in Ellingham Hall, einem Gut von Vaughan Smith, aufhält, dass er sein Leben bedroht sieht.