Auf dem Weg in die Katastrophe

CO2-Emissionen steigen weiter, während die puffernde Wirkung von Ozeanen und Biosphäre nachlässt

Vergleicht man die Entwicklungen der Emissionen des wichtigsten Treibhausgases, des Kohlendioxid, mit den Szenarien, die den Projektionen der Klimawissenschaftler zugrunde liegen, dann kann einem das Gruseln kommen. Sie wachsen nämlich mit einem Tempo an, wie es dem Business-as-usual-Szenario entspricht, das uns bis zum Ende des Jahrhunderts einen Anstieg der global und übers ganze Jahr gemittelten Temperatur um bis zu sechs Grad Celsius bescheren könnte. Verhältnisse, die den Eismassen auf Grönland und in der Antarktis in den nächsten Jahrhunderten den Garaus machen würden und schon bis 2100 den Meeresspiegel um einiges mehr als einen Meter ansteigen lassen würde.

Ein internationales Team von Physikern, Meteorologen, Ökonomen, Atmosphärenchemikern und was sich sonst noch mit den für das Klima relevanten Aspekten des Kohlenstoffkreislaufs beschäftigt hat eine Studie vorgelegt, die die Emissionen und die Senken, das heißt jene Prozesse, die das CO2 der Atmosphäre wieder entziehen, bilanzieren. Erschienen ist die Studie in Nature Geoscience. Heraus gekommen ist wenig erfreuliches:

  1. Die CO2-Emissionen steigen seit einigen Jahren beschleunigt an. Zwischen 1990 und 2000 waren die Emissionen jährlich um ein Prozent pro Jahr gewachsen, seit 2000 legen sie jedoch jährlich um 3,4 Prozent zu. 2008 waren es nur zwei Prozent, aber nur, weil sich bereits die Wirtschaftskrise bemerkbar machte. In diesem Jahr wird sogar ein Rückgang erwartet, aber da die Wirtschaft in vielen Ecken der Welt wieder anzieht, wird es schon 2010 oder 2011 wieder im Vorkrisentempo weitergehen.
  2. Der Anstieg geht vor allem auf die Entwicklungsländer zurück, das heißt, insbesondere auf Indien und China. 25 Prozent des dortigen Zuwachses könne aber der für den Konsum in den Industriestaaten arbeitenden Exportindustrie zugeschrieben werden, so die Autoren.
  3. Die Emissionen aus der Änderung von Landnutzung, wozu die Trockenlegung von Mooren und insbesondere die Entwaldung gehören, sind in den letzten Jahren konstant geblieben. Das deutet immerhin daraufhin, dass sich der Raubbau an den Wäldern nicht weiter beschleunigt. In Brasilien scheint er sich sogar verlangsamt zu haben.
  4. Die Kohle hat inzwischen dem Öl als wichtigste fossile CO2-Quelle den Rang abgelaufen. Zurückzuführen ist das vor allem auf neue Kohlekraftwerke in Indien und China.
  5. Einiges deutet darauf hin, dass die Aufnahmekraft der Senken erlahmt. Im langjährigen Mittel der Jahre 1959 bis 2008 wurden 57 Prozent der Emissionen absorbiert, die restlichen 43 Prozent verblieben in der Atmosphäre. Die Autoren haben allerdings noch etwas genauer hingesehen, und kommen zu dem Schluss, dass in den 1960er Jahren noch 60 Prozent aufgenommen wurde, im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends jedoch nur noch 55 Prozent. Im Umkehrschluss hieße das, dass nicht nur die Emissionen weiter zunehmen, sondern auch noch ein wachsender Teil davon zur Anreicherung des Treibhausgases in der Atmosphäre beiträgt.

Kein Wunder, dass die an der Studie beteiligten Wissenschaftler darauf drängen, im nächsten Monat in Kopenhagen einen Klimaschutzvertrag zu unterschreiben.