Auge, sei wachsam

Neben der Spur

Mit ein bisschen Voraussicht kann man im 21. Jahrhundert Umsicht zeigen. Auch wenn man nicht selbst schaut. Guggst Du

Einer der beliebten Geschichten zu jedem Boddingtons beim gemeinsamen Männerbier ist ja die, dass es angeblich nur einen Grund gibt, warum im Vereinigten Königreich heute noch links gefahren wird. Das kommt angeblich aus dem Mittelalter. Dort hat man links reitende Pferde eingeführt, um im Falle von zwei sich begegnenden Reitern beiden schneller zu zeigen, dass der jeweils andere sein Schwert zieht. Angeblich kann man das besser als bei Rechtsverkehr.

Wir wissen, dass Tausende von Rittern im europäischen Strassenverkehr jährlich damals ihr Leben ließen, weil sie das Schwert des anderen zu spät gezückt erkannten. Schon klar. ist ja heute nicht wesentlich anders. Während in England, Wales, Schottland und Nordirland so gut wie kein PKW-Fahrer mehr an Stichwunden sein Leben lässt, wissen wir alle, was heute noch auf bundesdeutschen Autobahnen los ist. Der reine Krieg.

Warum ich das erzähle: Inzwischen könnte auch es auch wieder mit dem Rechtsverkehr in der Gegend von Bristol oder Oxford klappen, denn es gibt dank modernster Technik nun keinen Grund zur Sorge mehr. SWORD ist eine intelligente Handyhülle, die mittels eingearbeiteter Gesichtserkennungssoftware imstande ist, Waffen zu erkennen. Kann man sagen: Eh, ich sehe auch, dass dann einer mir gerade sein Schwert drüberziehen will. Aber da ist die Hülle schon ein wenig weiter. Bis zu 40 Meter entfernt kann der Scan des Gegenübers – egal ob sich auf der linken oder rechten Straßenseite nähernd – eventuell am Körper getragene Waffen erkennen und den Nutzer informieren.

Das ist doch schon einmal etwas.

Und wer es noch ein wenig mehr aus der Vogelperspektive braucht, der kann sich bei einer Entwicklung der University of Cambridge bedienen. Wie im paper 'Eye in the Sky: Real-time Drone Surveillance System (DSS) for Violent Individuals Identification using ScatterNet Hybrid Deep Learning Network'. beschrieben und hier in einem Video zu sehen kann diese Drohne mit ein wenig AI an Bord bestückt durch die Gegend cruisen und menschliche Ansammlungen am Boden dahingegend analysieren, ob dort gerade zwei oder mehrere in eine tätliche Auseinandersetzung verwickelt sind. Es ist unklar, ob neben einer Schlägerei auch das Anlegen und Zielen sowie der finale Blattschuss auf Mitmenschen erkannt werden würde. Aber Schwertkämpfe, wie sie ja in den Wäldern von Cambridge immer noch gerne vorkommen, sollten erkannt werden.

Man kann also getrost davon ausgehen, dass die Welt durch den Einsatz vorausschauender Technik wieder ein wenig sicherer werden wird. Gut, wenn natürlich das Böse als solches nun anfängt, halbautomatische Waffen in Plastikentchen zu verstecken und wüste Schlägereien durch geschicktes Training in Richtung "Sirtaki Dancing on the Street" getrieben werden, dann müsste man ein gewisses Vertrauen aufbringen, dass SWORD und Eye in the Sky ihre Scanner und Algorithmen ein wenig aufgebessert bekommen.

Aber im wesentlichen stimmt die Richtung für die Zukunft. Auch rechtsfahrend.

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