Auge um Auge, Zahn um Zahn, Datum um Datum

Indymedia veröffentlicht ein umfassendes Porträt der angeblichen Klaridentität eines verdeckten Ermittlers, der Studentengruppen ausforschte

Vor einigen Wochen machte der Fall eines verdeckten Ermittlers Schlagzeilen, der unter dem Namen "Simon Brenner" acht Monate lang studentische Gruppen an der Universität Heidelberg teilnehmend beobachtete. Als durch eine zufällige Begegnung mit einer Urlaubsbekanntschaft auf einer Party ans Licht kam, dass er für die Polizei arbeitet, wurde "Brenner" zur Rede gestellt und gab an, für das baden-württembergische Landeskriminalamt Informationen zu sammeln. Dass man die Geschichte beim LKA in Stuttgarter nicht dementierte, sondern nur darauf verwies, man gebe grundsätzlich keine Auskünfte zu verdeckten Ermittlungen, wurde allgemein als Beleg für die Richtigkeit von "Brenners" Angaben gewertet.

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Nun veröffentlichten Unbekannte auf dem Portal Indymedia sehr detaillierte Angaben zur angeblichen Klaridentität des verdeckten Ermittlers, darunter den Wohnort, Details zu seinem Berufs- und Vereinsleben, seinen sportlichen Aktivitäten und seinen Eltern. Der Schilderung ist eine Bemerkung angefügt, die in ihrem theatralischen Ton an Fememordaufrufe der 1920er Jahre erinnert:

Für ihn war sein Verrat nur ein Spiel. Aber Verrat ist kein Spiel. wird die Konsequenzen seines Handelns tragen müssen.

Diese Bemerkung scheint im Nachhinein auf paradoxe Weise eine Rechtfertigung für "Brenners" verdeckte Ermittlungen zu liefern. Allerdings ist durchaus fraglich, ob sich die Studentengruppen, die "Brenner" offenbar selbst für harmlos hielt, mit jenen Personenkreisen überschneiden, die unter anderem durch Brandanschläge zeigen, dass sie tatsächlich gewaltbereit sind. So lange das LKA schweigt, besteht der begründete Verdacht, dass massenhaft unbescholtene Studenten "auf Vorrat" beobachtet wurden und es keine konkreten Anhaltspunkte für verübte oder geplante Gewalttaten gab. Solch eine Vorratsdatensammlung erinnert freilich frappant an jene Methoden der Staatssicherheitswahrung, wegen denen die DDR als "Unrechtsstaat" gilt.

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