Aus für Iter-Förderung in Deutschland

weil zu viele Aufträge an französische Firmen gehen

Die Iter-Fusionsforschungsanlage im südfranzösischen Cadarache wird immer mehr ein rein französisches Industrieprojekt. Das deutsche Bundesforschungsministerium vergibt deshalb vorerst keine Fördergelder mehr. Als Grund wurde auf eine Anfrage der SPD-Fraktion angegeben, die Erteilung der Industrieaufträge für den Bau sei für die deutsche Seite zu unbefriedigend.

So vergab die europäische Agentur Fusion for Energy, die für die Forschungsanlage im französischen Cadarache bei Aix-en-Provence zuständig ist seit Projektbeginn 2006 bis Ende 2011 zwar Aufträge im Wert von einer Mrd. Euro. Doch waren nach Angaben des Bundesforschungsministerium die größten Nutznießer davon allerdings französische Firmen. Deutsche Firmen und Forschungseinrichtungen erhielten nur Aufträge für 31,1 Mio. Euro.

Kritiker sehen Iter mittlerweile ohnehin als Milliardengrab. Nach aktuellen Kostenschätzungen soll es bis zur Fertigstellung noch acht weitere Jahre dauern und das Projekt bis dahin mindestens 15 statt der ursprünglich geplanten 5 Mrd. Euro kosten. Der größte Geldgeber ist die europäische Union mit 45 Prozent Anteil.

Aber vor allem Frankreich setzt weiter auf Iter nicht nur aus Prestige- sondern vor allem auch aus wirtschaftlichen Gründen. Die französische Regierung gab an, das Land selbst zahle, dank der internationalen Zusammenarbeit, nur neun Prozent der Kosten. Demgegenüber stehen aber die Bau- und Forschungsaufträge im eigenen Land – für Frankreich ist Iter also ein Milliardengeschäft, unabhängig davon ob das Plasma jemals zündet.

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