Auslaufmodell Dollar

Auch die Mercosur-Staaten wollen den internen Handel nicht mehr in Dollar abwickeln

Die Mitglieder der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur wollen die Waren im gegenseitigen Handel nicht mehr mit dem US-Dollar bezahlen. Der Handel soll fortan in den Währungen Real, Peso und Guaraní abgewickelt werden. Darauf haben sich die Staats- und Regierungschefs von Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay bei einem Treffen in Paraguays Hauptstadt Asunción geeinigt. Die Unabhängigkeit vom Dollar wird schon im nächsten Jahr angestrebt, erklärte Paraguays stellvertretender Wirtschaftsminister Oscar Rodríguez, der die Verhandlungen auf dem Gipfeltreffen koordinierte.

Die Zentralbanken der Mercosur-Mitgliedsländer haben sich auf eine gemeinsame Wechselkursregelung verständigt. Schon Ende 2008 hatten sich Argentinien und Brasilien im bilateralen Handel vom Dollar abgekoppelt. Bald sollen die Regelungen auch für den uruguayischen Peso und den paraguayischen Guaraní gelten. Wenn die Zentralbanken von Uruguay und Paraguay die technischen Einzelheiten geklärt haben, werden sich die beiden Länder dem Vorbild anschließen. Allerdings besteht auch dann weiter die Möglichkeit, den Handel auf Dollarbasis abzuwickeln.

Damit wird die abstürzende US-Währung auch in ihrem "Hinterhof" weiter geschwächt. Ohnehin wird der Dollar immer deutlich als Weltleitwährung in Frage gestellt. Neben den BRIC-Staaten hatte zuletzt sogar Frankreich einen verbalen Angriff auf den Dollar gestartet. Für Hugo Chávez ist die Mercosur-Entscheidung ein neuer Sieg und ebnet den Weg für die lateinamerikanische Integration. Die Länder seiner "Bolivarianischen Alternative für die Amerikas" (ALBA) hatten sich im vergangenen Herbst sogar darauf verständigt, eine "vom Dollar befreite Zone" zu bilden. Die ALBA-Staaten Venezuela, Kuba, Bolivien, Nicaragua, Honduras, Dominica und dazu das Nichtmitglied Ecuador wollen sogar eine Gemeinschaftswährung nach dem Vorbild des Euro schaffen.

Die Loslösung vom Dollar durch die Mercosur-Staaten soll auch den Handel mit China und Russland erleichtern, die den Dollar vom hohen Ross stoßen wollen. Im Handel mit Südamerika wollen auch sie in Zukunft Real, Peso oder Guaraní als Bezahlung akzeptieren. Es geht aber auch um die Integration der Staaten, die von Venezuela angeführt werden. Die Aufnahme von Venezuela als Mercosur-Vollmitglied steht noch aus, weil das Land das Abkommen noch nicht ratifiziert hat. Assoziierte sind bisher Chile, Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien.

Der Verfall des Dollar geht dabei ungebremst weiter. Erneut erreichte der Wechselkurs zum Euro gestern fast den Jahrestiefstand. Er wurde für jeden Euro fast 1,43 Dollar bezahlt. Experten rechnen bald mit Kursen von 1,45 Dollar, weil zyklische Risiken den Dollarkurs gegenüber den meisten Währungen weiter belasteten. Der schwache Dollar, ein Crash wird ohnehin nicht ausgeschlossen treiben den Loslösungsprozess voran. Seit langem gibt es zum Beispiel auch Pläne für eine arabische Einheitswährung, die nun wieder verstärkt diskutiert werden. Auch die Golfstaaten Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Quatar, Bahrain und Oman denken über eine eigene Währungsunion nach.

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