Außerirdische Touristen

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht Dokumente zu gesichteten UFOs und darüber, wie das Phänomen amtlich behandelt wurde

Nicht nur britische, sondern auch deutsche Fernsehzuschauer fragen sich seit gut 40 Jahren, ob die Regierung mit UFO-Meldungen wohl so umgeht wie in der gleichnamigen Serie. Aufklärung bringen nun Dokumente, die das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht.

Die Dokumente, rund 7.000 Seiten, aus den National Archives geben künftigen Generationen einen "faszinierenden Schnappschuss eines unerforschten Aspekts unserer gegenwärtigen Sozialgeschichte", gibt David Clark, UFO-Berater der Nationalarchive freudig zu Protokoll. Clark hat sich seit Jahren mithilfe des Freedom of Information Act darum bemüht, dass das Verteidigungsministerium die Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Aus den Papieren ist, wie das in der Übernatur der Sache liegt, manch beglückende Mischung aus Amtsmänner-Ernst, britischer Zurückhaltung und von Sportsgeist befeuertem Engagement für das Unbekannte herauszulesen. Letzteres, mit einem dezenten Hauch von Irrsinn und Ironie versehen, zeigt sich beispielsweise in der Gründung einer "Flying Saucer Working Party" innerhalb der Regierung in Anfang der 1950er Jahre. Der Amtsmänner-Ernst, reiche Fundgrube für die Truppe der Monty Pythons, wird in den Worten eines Beamten ersichtlich, der 1995 (!) in einem Briefing die Lage aufgrund der Berichte akkurat sondiert:

"If the sightings are of devices not of the earth then their purpose needs to be established as a matter of priority. There has been no apparent hostile intent and other possibilities are: 1) Military reconnaissance; 2) Scientific; 3) Tourism."

Es sei wesentlich, dass man dabei mit einem offenen Sinn vorgehe - "was heutzutage 'wissenschaftlicher Fakt' ist, muss morgen nicht mehr unbedingt wahr sein".

Zwar führt der unbekannte Beamte an, dass es viele Gründe gebe, weshalb UFO-Beobachtungen auf Irrtümer basieren können, unter anderem auf optische Täuschungen oder "Massenhalluzinationen", er gibt aber auch zu bedenken, dass keiner der Erklärungen in jedem Fall vollständig überzeuge; zudem seien die offiziell weitergegebenen Berichte nur die Spitze eines Eisbergs.

"Many people do not wish to risk embarrassment and so do not report sightings."

Ein anderer Beamter des Verteidigungsministeriums rechnet nüchtern vor, dass es so viele Besuche von Außerirdischen, wie dies die unzähligen Berichte nahelegen, gar nicht geben könne:

"A visit to an insignificant planet (the earth) of an uninteresting star (the sun) would probably not occur more than once in a thousand years or so, even if one assumes that every intelligent community made say 10 launches a year."