Australien steigt in den Ausstieg ein

Das Land beginnt, mit einer Leitzinserhöhung die aufgeblähte Geldmenge zu reduzieren.

Für viele unerwartet hat die Reserve Bank of Australia als erste Zentralbank der G20-Staaten ihren Leitzins um 0,25 % erhöht. Australien begibt sich damit als erste Industrienation auf den Weg, die enormen Geldmengen wieder zu reduzieren, mit denen die Geldmärkte zur Krisenbekämpfung geflutet. Australien kann dies aus einer recht bequemen Situation tun, denn das Land ist recht glimpflich durch die Krise gesegelt. Das zeigte schon das Leitzinsniveau, denn die Notenbank hatte es nie unter 3 % gesenkt. In der ehemaligen Strafkolonie ist man der Nullzinspolitik der Ex-Kolonialmacht nicht gefolgt, die trotz allem die Wirtschaft nicht auf die Beine bringt. Großbritannien war seinerseits den Weg der US-Notenbank (FED) gegangen, dem mit Abstrichen auch die Europäische Zentralbank folgte, welche den Leitzins auf 1 % absenkte.

Vergleicht man die Situation mit Deutschland, dann zeigt sich, wie anders sich die Lage in Australien entwickelte. Während Australiens Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2008 erstmals nach 16 Jahren wieder schrumpfte, befand sich Deutschland schon tief in der Rezession. Während man in Deutschland im zweiten Quartal 2009 mit viel Mühe, Konjunkturprogrammen und Abwrackprämien ein Minimalwachstum von 0,3 % herbeigedopt hatte, verzeichnete Australien schon wieder 0,6 % Wachstum. Da die Wirtschaftsleistung in Australien nur zwei Quartale schrumpfte, kann nicht einmal von einer wirklichen Rezession gesprochen werden. Schon im August hatte die Reserve Bank ihre Prognose revidiert, dass die australische Wirtschaft in diesem Jahr schrumpfen werde. Nun rechnet die Zentralbank mit einem Wachstum von 0,5 %. Für 2010 werden 2,25 % Wachstum prognostiziert und 2011 sogar 3,75. Damit würde der Kontinent wieder in den Bereich kommen, mit dem seine Wirtschaft vor der Krise gewachsen ist.

Damit beginnt das erste Industrieland mit Exit-Strategien, wie sie letztlich der IWF fordert. Dabei sagt der Internationale Währungsfonds nicht, wie das angesichts der Sackgasse, in die sich zum Beispiel die USA verrannt haben, laufen könnte. Australiens Notenbankchef Glenn Stevens sieht keine Rechtfertigung für "niedrige" Zinssätze mehr. "Der Rat der Notenbank ist der Ansicht, dass es jetzt klug ist, mit einem schrittweisen Herunterfahren der Stimuli über die Geldpolitik zu beginnen", weil sich die Wirtschaft schneller erhole als die der wichtigsten Partner. Die Einzelhandelsumsätze stiegen genauso wie die Haus- und Aktienpreise und auch die Zahl der offenen Stellen wachse, worin sich das gestärkte Vertrauen der Unternehmen und der Konsumenten ausdrückt. Stevens hat zudem weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Diese Rezepte einer Nation, aus der klare Kritik an der US-Krisenbekämpfungsstrategie kam, sollten sich Leute wie der kritisierte US-Finanzminister Tim Geithner genau anschauen.

Die Entscheidung wird den Druck auf Länder wie die USA erhöhen. Der US-Notenbankchef Ben Bernanke spricht zwar gerne darüber, dem Markt die enormen Geldmengen wieder zu entziehen, aber praktisch hält er angesichts schlechter Realdaten weiter an der Krisenpolitik fest. Die birgt die große Gefahr, dass sich nicht nur neue und noch größere Blasen bilden, sondern schon bald ein neuer Absturz droht.

Dass die Arbeitslosigkeit in den USA wieder stärker steigt, weist auf die schlechte Gesamtsituation hin. Im September hat sich der Jobabbau beschleunigt und trieb die Arbeitslosenquote auf den höchsten Stand seit mehr als 26 Jahren. Sogar die Notenbank (FED) fürchtet, dass dies die wichtigste Konjunkturstütze bremsen werde: den privaten Konsum. Die Quote kletterte von 9,7 % im August auf 9,8 %. Ein höherer Wert war zuletzt im Juni 1983 mit 10,1 Prozent gemeldet worden und auch dieser Rekord dürfte alsbald geknackt werden. Im gar nicht so stressigen Bankenstresstest war im vermeintlichen "Worst-Case-Szenario" angenommen worden, dass sie auf maximal 8,9 % steigen werde. Im September wurden erneut 263.000 Jobs gestrichen. Im August waren es dagegen "nur" 201.000.

Angesichts der riesigen Dollarflut fliehen auch immer mehr Anleger ins Gold, was den Goldpreis auf neue Rekordhöhen treibt. Der Absturz des Dollars nimmt so immer weiter an Fahrt auf. Inzwischen müssen für einen Euro schon fast 1,5 US-Dollar gezahlt werden. Eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) kostet schon fast 1050 Dollar, nachdem am Dienstag die anderthalb Jahre alte Rekordmarke von rund 1030 US-Dollar gebrochen wurde.

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