Autokrise: In China und in der EU gehen die Absätze weiter zurück

Chinas Elektro-SUV BJEV EX360. Foto: Jengtingchen/ CC BY-SA 4.0

Nur die E-Autohersteller in der Volksrepublik boomen kräftig

In China, dem seit 2009 weltweit größten Markt für PKW, gehen Produktion und Verkäufe weiter zurück, wie die chinesisch-sprachige Platform Yicai.com berichtet. Demnach setzt sich der Abwärtstrend bereits im siebenten Monat in Folge fort. Für die Weltwirtschaft sind das sicherlich keine gute Nachrichten, denn der Rückgang ist deutlicher Ausdruck einer nachlassenden Konjunktur.

Für die Umwelt allerdings schon, denn in China verstopfen inzwischen bereits 240 Millionen Kraftfahrzeuge die Straßen, was bedeutet, dass auf 1.000 Chinesen 171 Fahrzeuge kommen. Verglichen mit dem in Europa üblichen Motorisierungsgrad ist das zwar immer noch wenig – in Deutschland sind es nach Angaben des europäischen Herstellerverbandes ACEA 610 und im EU-Durchschnitt 587 Kraftfahrzeuge pro 1.000 Einwohner.

Doch man kann sich leicht vorstellen, was es für den globalen Verbrauch an Kraftstoffen und Rohstoffen für die Herstellung bedeutet, wenn die ganze Welt versucht, hiesige Verhältnisse zu kopieren.

In absoluten Zahlen sind in China im Januar immer noch 2,365 Millionen Kraftfahrzeuge produziert und etwas mehr im Großhandel abgesetzt worden. Das war ein Minus von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Absatz im Großhandel ging sogar noch etwa stärker zurück, der Einzelhandelsabsatz allerdings deutlich weniger.

Mit anderen Worten: Die Händler haben ihren Lagerbestand deutlich abgebaut, was einerseits bedeutet, dass sie lieber auf Nummer sicher gehen wollen. Andererseits sind kleinere Halden aber auch ein Zeichen für einen vergleichsweise ruhigen Konjunkturverlauf. Große Lagerbestände bei zurückgehender Nachfrage führen zu Preiskämpfen und Befördern Massenentlassungen, wirken also Krisen verschärfend.

Der Rückgang wurde übrigens vor allem durch ein Minus im PKW-Geschäft verursacht. Hergestellt und im Großhandel verkauft wurden im Januar rund zwei Millionen PKW, was gegenüber Januar 2018 einem von 14,4 bzw. beim Großhandelsabsatz 17,7 Prozent bedeutet.

Nicht betroffen war übrigens der Absatz von Elektroautos und Wagen mit Hybridantrieb - Fahrzeugen, die neben dem Verbrennungsmotor auch einen Elektromotor haben. Der Absatz legte um 180 Prozent auf 75.000 bei den reinen Elektrofahrzeugen und um 55 Prozent auf 21.000 bei den Hybridfahrzeugen zu.

Fazit: Der chinesische PKW-Markt befindet sich in einer anhaltenden Absatzkrise und steht am Beginn einer Transformation. In keinem anderen Land werden so viele Elektrofahrzeuge verkauft wie in der Volksrepublik.

In der EU gingen die PKW-Absätze, wie die ACEA berichtet, im Januar im fünften Monat in Folge zurück, und zwar um vergleichsweise moderate 4,6 Prozent. Dahinter verbirgt sich allerdings eine - bisher noch - sehr ungleichmäßige Entwicklung: In Frankreich, Deutschland und Großbritannien war das Minus kleiner als zwei, in Spanien und Italien aber größer als acht Prozent.

Alles in allem zeigen die Zahlen jedenfalls, dass die Autokrise nicht mehr nur vor der Tür steht, sondern den Raum bereits betreten hat. Bis diese auch hierzulande voll durchschlägt, scheint nur noch eine Frage weniger Monate zu sein.

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