Autoren müssen weiter auf Geld warten

Die Verwertungsgesellschaft Wort verschiebt ihre Hauptausschüttung 2013 erneut

Weil sich die Verwertungsgewerkschaft Wort (VG Wort) nicht mit einem Urteil des Amtsgerichts München abfinden will, das einem klagenden Autor wissenschaftlicher Werke Recht gab und feststellte, dass die pauschale Ausschüttung eines großen Teils der Einnahmen an Verlage rechtswidrig ist, müssen Schriftsteller, Übersetzer, Wissenschaftler und andere Autoren auch 2013 länger auf ihre Hauptausschüttung warten, die normalerweise im Juni fällig ist. Wie lange genau, das entscheidet sich wahrscheinlich in einer Verwaltungsratssitzung am nächsten Freitag.

Anlass für die erneute Verzögerung der Auszahlung der teils vierstelligen Beträge ist ein eigentlich für den 25. Juli erwartetes Berufungsurteil des Oberlandesgerichts München, das aus "dienstlichen Gründen" auf den 26. September verlegt wurde. Doch selbst dann, wenn dieses Urteil vorliegt, wird die Ausschüttung nur unter Vorbehalt erfolgen: Die Verwertungsgesellschaft, in deren maßgeblichen Gremien zahlreiche Vertreter von Unternehmen sitzen, hat nämlich bereits durchblicken lassen, bis mindestens vor dem Bundesgerichtshof ziehen, um die Hälfte ihrer Einnahmen auch weiterhin an Verlage und nicht an Autoren auszahlen zu dürfen. Damit könnte eine Änderung der Ausschüttungspraxis noch Jahre hinausgezögert werden.

Je länger solch ein Verfahren dauert, desto mehr Ansprüche von Autoren an die VG Wort verjähren – zugunsten der Verlage. Wer die Verjährung unterbrechen will, der muss der Verwertungsgesellschaft bis zum 31. Dezember eines Jahres einen Mahnbescheid zustellen und sie vor dem Amtsgericht verklagen, wenn sie die geforderte Summe nicht zahlt. Im letzten Jahr haben "einige" Autoren diesen Weg beschritten. Über ihre genaue Anzahl schweigt sich die Organisation, die unlängst ihren Verwaltungskostenanteil von 7,46 auf 9,3 Prozent erhöhte, bislang ebenso aus wie über die Bezüge ihrer Vorstände. Auch in anderen Fragen gibt man sich eher wenig transparent: Um zu erfahren, wie hoch die Ausgaben für eine Urheberrechtskampagne auf Kosten der (dazu nicht gefragten) Ausschüttungsberechtigten waren, musste der Berliner Blogger Stefan Niggemeier extra zur Wahrnehmungsberechtigtenversammlung nach München reisen.