Bank of Amerika kauft sich mit Staatsgeldern in China ein

Die US-Großbank will ihren Anteil am drittgrößten Geldhaus Chinas verdoppeln und benutzt dafür auch Staatsgelder aus dem Rettungsplan.

Die Bank of America (BoA) will ihren Anteil an der China Construction Bank auf 19,1 Prozent erhöhen. Da die US-Großbank derzeit 10,75 % der Anteile hält, wäre das fast eine Verdoppelung der Beteiligung. Bisher war sogar darüber spekuliert worden, ob die Bank wegen der eigenen Finanzprobleme die Anteile an dem chinesischen Institut verkauft. Erst im Oktober hatte die BoA die Dividenden halbiert, nachdem der "Quartalsgewinn" um 68 % eingebrochen war. Ob die Bank tatsächlich einen Gewinn gemacht hat, ist schwer einzuschätzen, weil die Bilanzierungsregeln gelockert worden sind. Die Bank hatte sich dieses Jahr schon 22 Milliarden US-Dollar frisches Kapital besorgt und zudem 25 Milliarden aus dem staatlichen Rettungsplan erhalten.

Oft wurde darüber spekuliert, dass mit dem Staatsgeld auch Zukäufe im Ausland getätigt werden könnten, statt die US-Unternehmen mit Krediten zu versorgen, um die US-Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, die sich längst in einer Rezession befindet. Doch genau das macht die BoA nun. Über den Kaufpreis verlautete nichts. Reuters berichtet, die US-Großbank verfüge nach dem Kauf über 44,7 Milliarden Aktien der chinesischen Bank, was einem Börsenwert von etwa 24 Milliarden Dollar entspricht.

Der Deal ist auch aus anderen Gründen erstaunlich, denn es bestand keinerlei Eile. Die BoA war 2005 bei den Chinesen eingestiegen und hatte sich für fünf Jahre das Recht gesichert, die Beteiligung auf 19,9 % auszuweiten, weshalb sie noch für fast zweieinhalb Jahre Zeit hat. Und schaut man sich den Sparkurs der Citigroup an, die deutlich schwächer dem gefährlichen Bereich der Hypothekendarlehen ausgesetzt ist, dann verwundert der Zukauf ebenfalls. Zudem muss die BoA noch die Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch abschließen, die sie mit 50 Milliarden Dollar im September vor der Pleite gerettet hatte. Interesse hatte die BoA auch an Lehman Brothers gezeigt. Doch Lehman musste Insolvenzschutz beantragen, nachdem die BoA sich für Merrill Lynch entschied. Die Riesenpleite von Lehman sendet seither Schockwellen über die weltweiten Finanzmärkte aus und besiegelte definitiv die Rezession in den Industriestaaten.

Das die BoA nun auch mit Staatshilfen auf Einkaufstour geht, ist einer der befürchteten negative Effekte der Rettungspläne, mit denen Billionen ausgeschüttet werden. Stets wurde befürchtet, dass die den Wettbewerb noch weiter verzerren würden. Die Frage, wie verhindert werden kann, dass staatliche Hilfsgelder abfließen, ist nun eine der zentralen Frage bei den Gesprächen um die Rettung des Rüsselsheimer Autobauers Opel. Die Bundesregierung will bis Weihnachten über eine Staatsbürgschaft für den Automobilkonzern entscheiden. Opel hatte um die Bürgschaft gebeten, weil dem US-Mutterkonzerns General Motors (GM) die Zahlungsunfähigkeit droht. GM hat in den letzten Jahren einen Schuldenberg von über 50 Milliarden Dollar angehäuft und verliert derzeit jeden Monat rund eine weitere Milliarde Dollar.

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