Beck to the roots

Grünen-Rechtsexperte beruft sich beim Beschneiden von Ruten auf die Bibel

Die Bundestagsfraktion der GRÜNEN ist hinsichtlich des Entschließungsantrags zur Beschneidung noch unentschieden. Die Einmischung des deutschen Staates in religiöse Angelegenheit des Judentums löst bei Politikern unbehagliche Reflexe aus; der religiös motivierte Eingriff in die körperliche Unversehrtheit Minderjähriger bleibt jedoch von fachlicher Seite nicht ohne Widerspruch. Angesichts der nachteiligen Effekte auf die Ausübung der Sexualität dürfte die Zirkumzision auch schwerlich mit Ohrlochstechen zu vergleichen sein. Für Irritation sorgte insbesondere die von grünen Spitzenpolitikern quasi von oben diktierte Haltung zu diesem Thema, die mit 35 Enthaltungen und 12 Nein-Stimmen quittiert wurde.

Als sei der Streit um die Vorhaut nicht schon dünnhäutig genug, so bereicherte der autodidaktische Rechtsexperte der GRÜNEN, Volker Beck, die Debatte um ein für die GRÜNEN ungewohntes Argument: das biblische. So predigte Beck, die Beschneidung sei ein „erster Befehl Gottes“, dem ein „sehr hoher“ Stellenwert einzuräumen sei. Beck gehört zu den Befürwortern des Entschließungsantrags, der das unverlangte Reinschneiden in Kinderpenisse, wie Gott sie erschuf, als zu tolerierende Religionsausübung bewertet.

Becks religiöser Eifer und dessen Berufung auf das Alte Testament werfen Fragen hinsichtlich der Konsistenz des Beckschen Weltbilds auf. So ist Beck nicht nur ein bekannter Menschenrechtsaktivist, sondern einer der prominentesten europäischen Vertreter der Schwulenbewegung - die sich jedoch in einem fundamentalen Konflikt mit religiöser Dogmatik monotheistischer Religionen befindet. So wertet das 3. Buch Mose das Liegen eines Mannes beim Manne als ein Gräuel. Auch die Leibeigenschaft und die tradiierte Rolle der Frau ließen sich aus dem Alten Testament begründen. Ob Hobby-Theologe Beck auch die Heilige Vorhaut bemühen wird, ist derzeit unklar.

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