Beeinflussen Pornos das sexuelle Verhalten von Jugendlichen?

Höchstens sehr geringfügig direkt, so Wissenschaftler

Die mindestens auf Plato zurückgehende These der Mimesis, also der Erwerb von Einstellungen oder Verhaltensweisen durch Nachahmung von Wahrgenommenen, wird auch weiterhin gerne angeführt, um vor Gefahren zu warnen, die von Medien ausgehen (z.B. Sexueller Missbrauch unter Minderjährigen). So sollen beispielsweise Filme oder Computerspiele mit Gewaltdarstellungen Kinder und Jugendliche aggressiver machen oder die Gewaltschwelle senken. Oft wird auch von konservativen Kreisen gewarnt, dass Pornographie, auf die Kinder und Jugendliche über das Internet leicht zugreifen können, negative Auswirkungen auf die Sexualität hat.

Dänische Wissenschaftler gehen davon aus, dass Pornografie im Internet, in Filmen oder Zeitschriften das sexuelle Verhalten von Kindern und Jugendlichen direkt kaum beeinflussen, weil es eine Vielzahl von Faktoren gibt, die hier zusammenwirken. Für ihre Studie, die Journal of Sexual Medicine erschienen ist, haben sie online 4.600 Menschen in den Niederlanden im Alter von 15 bis 25 Jahren befragt.

88 Prozent hatten in den letzten 12 Monaten sexuell explizite Bilder oder Filme angeschaut. Und offenbar gibt es auch Zusammenhänge mit sexuellem Verhalten, die aber schon sehr marginal sind. Direkt soll es zwischen dem Anschauen von Pornografie und sexuellem Verhalten bei 0,3 bis 4 Prozent eine Korrelation geben, was vornehmlich riskanten Sex und solchen gegen Geld betrifft. Medien seien also nicht so direkt mit der Formung des sexuellen Verhaltens verbunden, wie man bzw. eher manche glauben.

Und selbst wenn es häufiger einen Zusammenhang geben würde, wäre die Frage, ob die Medien das sexuelle Verhalten oder letzteres die Mediennutzung beeinflusst. Gert Martin Hald von der Universität Kopenhagen, Leitautor der Studie, glaubt aufgrund der Ergebnisse daher, dass bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen persönliche Vorlieben, insbesondere die Suche nach sexueller Erregung, eine wichtigere Rolle spielen als die Medien.

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