Beim nächsten Piep stirbt jemand

Neben der Spur

Eine App lässt das Smartphone läuten, wenn die US Polizei jemanden erschießt. Drastisch. Erinnert an eine andere App

So hat sich das Papst Franziskus I vielleicht nicht vorgestellt, als er neulich die Segnungen von SMS, Internet und Social Media pries. Einige seiner Vorgänger hätten das vielleicht anders gesehen, auch wenn sie – wie Johannes Paul II – sogar einen Schutzheiligen für das Internet ernannt haben. Aber das sieht der Argentinier mit direktem Draht nach oben anders.

Und ich weiß nicht, ob er solche Apps meint, die gerade in den USA auf den "Markt" kommen. Da gibt es jetzt eine, die immer dann das Telefon summen, weil simsen lässt, wenn die dortige Polizei wieder jemanden erschossen hat. Die Push Notification von Archives + Absences soll natürlich keinen Anlass zur Feier geben, sondern auf die schiere Zahl der Opfer pro Jahr hinweisen. Wenn es zu oft summt – und jedes Mal ist einmal zu viel –, dann sollen Denkprozesse in Gang kommen.

Vielleicht so ähnlich wie beim Script TRUMP, das auf GitHub breit liegt und den Denkprozess des Möchtegernkandidaten gut nachvollziehbar spiegeln soll. Gut, das will man vielleicht gar nicht nachvollziehen, so wie man nicht ständig an Tote erinnert werden will, die es vermutlich unnötigerweise immer wieder gibt. Aber hier die wichtigsten Verhaltensmuster des Codes:

  • No floating point numbers, only integers. America never does anything halfway.
  • All numbers must be strictly greater than 1 million. The small stuff is inconsequential to us.
  • There are no import statements allowed. All code has to be home-grown and American made.
  • Instead of True and False, we have fact and lie.
  • Only the most popular English words, Trump’s favorite words, and current politician names can be used as variable names.
  • Error messages are mostly quotes directly taken from Trump himself.
  • All programs must end with America is great.
  • Our language will automatically correct Forbes’ $4.5B to $10B.
  • In its raw form, TrumpScript is not compatible with Windows, because Trump isn’t the type of guy to believe in PC.
  • The language is completely case insensitive.

All das im Hinterkopf liest man dann, dass der ehemalige Verteidungsminister der Vereinigten Staaten, Donald Rumsfeld, nichts besseres zu tun hat, als die "teuflischste aller Solitaire Versionen" als App herauszubringen. Churchill Solitaire soll tatsächlich vom britischen Premierminister während des Zweiten Weltkriegs gerne gespielt worden sein und hat sich dem Denkansatz verschrieben, den Donald Rumsfeld angeblich auch so schätzt. Es gebe Dinge, die man kenne, und Dinge die man nicht kenne, aber auch Dinge, von denen man nicht wisse, dass man sie kenne oder nicht kenne...kennen wir, wir wissen, was gemeint ist.

Nun bin ich ein bisschen enttäuscht. Ich dachte beim ersten Lesen der Nachricht, dass Donald Rumsfeld vielleicht eine App herausbringt, die immer dann fiept, wenn sich wieder ein Irak-Veteran nach dem Einsatz das Leben genommen hat. Und dann spuckt das Display so etwas aus, das auch aus dem ... Mund ... des anderen Donald gekommen sein hätte können. Aber nein, ein Kartenspiel. Auch keines, das die Toten in Syrien als direkte Nachfolge der glorreichen Kriege um die Massenvernichtungswaffen akustisch anzeigt. Aber das wäre vielleicht allen ständig zu laut gewesen. Das hört ja nicht auf, da summt das iPhone andauernd.

Und das wäre so nie durch den Crosscheck für den App Store gekommen.

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