Bergwerke als Speicherplatz für Ökostrom

Pumpspeicher unter die Erde anstatt auf die Bergen

Höhenunterschiede sind eine Voraussetzung für das Prinzip der Pumpspeicherkraftwerke. Mit hohen Bergen kann das dichtbesiedelte Ruhrgebiet nicht dienen, große nutzbare Höhenunterschiede gibt es aber trotzdem und zwar als Hinterlassenschaft des Steinkohlebergbaus. Er wird zur Zeit noch bis in 1700 Meter Tiefe vorangetrieben. Eugen Perau vom Fachgebiets Geotechnik an der Uni Duisburg-Essen schlägt nun Untertage-Bergwerke und Tagebaue als Standorte für die Wasserkraftwerke vor. Am besten wäre es, diese auch noch mit einander zu koppeln.

Stillgelegte Stollen gibt es viele und bald könnte ohnehin ganz Schluss sein mit dem Steinkohlebergbau in Deutschland, er ist mittlerweile einfach zu teuer. Nach dem Willen der EU soll es ab 2018 keine Subventionen mehr für die Steinkohle geben. Mit Wegfall der derzeitigen Förderung von 90 Euro pro Tonne werden dann wohl weitere Stollen für andere Nutzungen offen.

Bisher planen der Betreiber RAG und RWE die Stollen ganz stillzulegen und nur die oberirdischen Hinterlassenschaften des Bergbaus noch im regenerativen Zeitalter zu nutzen. Auf den Abraumhalden sollen Windräder und Speicherbecken installiert werden. Fritz Vahrenholt von RWE-Innogy geht davon aus, dass es für diese Kombination allein in Deutschland zwanzig geeignete Standorte gebe. Der Prototyp soll 2011 auf der Halde Sundern/Hamm entstehen. Zwar ist die Halde nur 46 Meter hoch, dennoch sollen dort 600.000 m³ Wasser 8.000 Haushalte sechs Stunden lang mit Strom versorgen können - im Normalbetrieb aber Ökostrom puffern.

Auch für die Stollen selbst gibt es schon andere Begehrlichkeiten. Letzte Woche fand ein Kongress statt, der Bergwerke als Endlager für die Unter-Tage-Deponierung von hochgiftigen Chemieabfällen propagierte. Schon wesentlich besser klingen Nachnutzungen, die die Erdwärme ausnutzen. Als Leuchtturmprojekt werden etwa die Wände der School of Management and Design auf der Zeche Zollverein, ein Entwurf des japanischen Büros Sanaa, mit dem 40° heißen Wasser aus den Stollen beheizt. Andere Planungen wollen mit dem warmen Tiefenwasser aus den aufgelassenen Stollen ganze Nahwärmesysteme speisen.

Peraus Pumpspeichervorschlag sieht nun vor, die Generatoren der Pumpspeicherkraftwerke in die Erde zu verlegen und die bereits vorhandenen künstlichen Kavernen als Speicherbecken mit Pipelinesystemen auszubauen. So könnten auch getrennte Stollensysteme gekoppelt werden. Eine andere Variante wäre die Anbindung auch der rheinischen Braunkohletagebaue. In Ostdeutschland werden solche Tagebaugruben zur Zeit zu reinen Seelandschaften renaturiert. Peraus Vorschlag würde auf eine Weiternutzung der Tagebaulöcher als Energiespeicher hinauslaufen - diesmal aber als Speicher für Sonnen- und Windenergie.

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