Bibellektüre im Zeichenunterricht?

Umberto Eco beklagt schwindende Grundlagen für das Verständnis von Kunstwerken

In einem Beitrag für die Welt beklagt der italienische Schriftsteller und Semiotiker Umberto Eco,die mit der Bedeutung christlicher Konfessionen schwindende Kenntnis über die Inhalte der Bibel und der Heiligenlegenden, ohne die seiner Schätzung nach "drei Viertel der westlichen Kunst" nicht verständlich seien.

Eco zufolge lernt man an italienischen Schulen zwar viel über die griechische und römische Antike, aber nichts über Mythen außerhalb dieses engen Bereichs. Abgeholfen werden könnte dem seiner Ansicht nach weniger mit dem klassischen konfessionell getrennten Religionsunterricht, in dem die Schüler zwar Kreuzwegstationen lernen, aber über die Offenbarung des Johannes im Unklaren gelassen würden, sondern durch eine religionsübergreifende Vermittlung "kultureller Grundbegriffe", mit denen sich dann auch außereuropäische Kunst verstehen lässt.

Allerdings ist der Weg zum Verständnis von bildlichen und literarischen Werken mit religiösen Anspielungen nicht nur von einer Seite her beschreitbar: In Foren zu neueren Kulturwerken wie Shin Seiki Evangerion oder Dan Simmons' Hyperion-Tetralogie lässt sich durchaus der Effekt beobachten, dass sich Konsumenten mit dem, worauf angespielt wird, erst nach dem Staunen über die Bizarrheit des zitierenden Werkes vertraut machen. Diesen Weg eröffnen freilich gerade jene Informationstechnologien, welche von Eco in einem kulturpessimistischen Seitenhieb als Vermittler "völlig nutzloser Fakten" kritisiert werden.

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