Big Brother für die Wissenschaft

Am Freitag enden für sechs Teilnehmer die 520 Tage einer simulierten Reise zum Mars

Mars500
Vergrößern Der Freizeitbereich von Mars 500Bild: ESA

Am Freitag endet für sechs Teilnehmer das längste Isolationsexperiment der Raumfahrt. Die Herren ohne Damen verlebten 520 Tage abgeschirmt in fensterlosen Containern in der Nähe von Moskau, rund um die Uhr überwacht von Kameras. Sinn des über zehn Millionen Euro teuren "Mars 500"-Projekts war es, heraus zu finden, wie eine Crew einen so langen Raumflug physisch und psychisch übersteht. Noch in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts soll ein bemannter Flug zum Mars stattfinden.

Die Teilnehmer aus Russland, China, Frankreich und Italien waren am 3. Juni 2010 in das 240 Quadratmeter große Röhrensystem eingestiegen und stehen mit der Außenwelt nur über Telefon und Email in Kontakt. Wenn auch die Teilnahme an über 100 Experimenten verpflichtend war, heißt es seither in erster Linie, Zeit totschlagen und an die rund 70.000 Euro denken, die am Ende der virtuellen Reise locken. Freigegebene Aufnahmen zeigten die Männer beim Guitar-Hero an der Konsole.

Die Wissenschaftler im Kontrollzentrum beobachteten derweil, wie sich der Zusammenhalt der Gruppe entwickelt. Lange Isolation kann zu Problemen führen, die Menschen drohen übellaunig, gar depressiv zu werden. In früheren Experimenten dieser Art nahm der Kontaktwillen ab, einige Teilnehmer isolierten sich und nahmen das Essen nicht mehr zusammen ein. Ein 240-Tage Isolationsexperiment im Jahre 2000 lief leicht aus dem Ruder, auch weil der Alkoholkonsum den Teilnehmern zusetzte. Die Dämmung der Räume war zudem ungenügend, jeder hörte jeden Ton des anderen. Dieses Mal ist kein Alkohol erlaubt, die Dämmung der kleinen Privatbereiche besser.

Glaubt man den Verlautbarungen der ESA, gibt es dieses mal zwar durchaus Differenzen zwischen den Teilnehmern, aber niemand sei völlig isoliert. Es würden Querbeziehungen zwischen allen und eine klare Struktur existieren. Die erdverbundenen Kosmonauten scheinen sich als Gruppe gefunden zu haben - und stehen der Außenwelt eher skeptisch gegenüber.

Eines der wissenschaftlichen Experimente ist mal wieder dem Zusammhang von Salzkonsum und erhöhten Blutdruck auf der Spur. Die Wissenschaftler reduzierten die tägliche Salzration aller Teilnehmer langsam von zwölf auf sechs Gramm. Ihr Blutdruck sank tatsächlich.

Inwieweit das gesamte Experiment auf einen Flug zum Mars übertragbar ist, bleibt umstritten. Denn während einige Probanden nach eigenen Angaben immer im Hinterkopf behielten, dass sie die Erde nie verlassen hatten, waren andere gedanklich auf einer weiten Reise.

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