Big-Pharma setzt auf Potenzmittel für den Geist

Der Pharmakonzern Roche übernimmt die Smart-Drugs Schmiede Memory Pharmaceuticals.

Die Roche Holding wird Memory Pharmaceuticals, eine Firma für medizinische Biotechnologie, vollständig übernehmen. Der Preis liegt bei rund 50 Mio US-Dollar. Was wie eine beliebige Wirtschaftsmeldung klingt, ist ein Beweis dafür, dass die globalen Pharmakonzerne versuchen, im Markt der Smart-Drugs Fuß zu fassen. Oberflächlich betrachtet entwickelt die 1998 gegründete Memory Pharmaceuticals Arzneimittelkandidaten für die Behandlung von Alzheimer oder Schizophrenie. Sie tut das nicht, wie sonst üblich, über die Neurotransmitter, sondern über einen sogenannten "second messenger", der die Bindung eines Neurotransmitters an seinen Rezeptor ins Innere einer Nervenzelle weitermeldet.

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Die Biotech-Firma unter der Schirmherrschaft von Nobelpreisträger Eric Kandel versucht seit Jahren den Informationsweg vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis mittels chemischer Wirkstoffe zu ebnen. Man hofft auf die Verfestigung synaptischer Verknüpfungen – nicht nur bei Kranken. Roche kooperierte bereits 2002 mit Memory Pharmaceuticals und testete einen der Wirkstoffe mit dem Namen MEM1414 an Alzheimer-Patienten. Der Erfolg war bescheiden, der Konzern stieg 2005 aus dem Programm wieder aus. Ein anderer Kandidat, MEM3454, scheint vielversprechender und hat es in Phase II der klinischen Versuche geschafft.

Das Roche nun die Firma aus Montvale (USA) komplett aufkauft, zeigt nicht nur ein Interesse am wachsenden Markt für Anti-Dementiva, sondern kann auch als strategische Entscheidung gedeutet werden, im Feld der Smart-Drugs Fuß zu fassen. Hierbei geht es nicht um Medikamente für Kranke, sondern um Optimierungsmittel für alte, aber gesunde Menschen, ein Steckenpferd von Eric Kandel.

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