Bischof Mixa ruft Politiker auf, das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu ignorieren

Ohne das Kreuz, so der Bischof, bliebe vom Geist Europas nur ein "undefinierbares Vakuum" übrig.

Walter Mixa, der Bischof von Augsburg, ist schon mal gut für ein provokatives Wort. So bezeichnete er eine gottlose Gesellschaft als "Hölle auf Erden", weil er irgendwie Atheismus mit totalitären Ideologien und Regimen verbindet.

Jetzt scheint den Bischof das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu ärgern. Der hatte vor kurzem entschieden, dass christliche Kreuze in Schulen nicht mit der konfessionellen Neutralität des Staates konform sind und das Erziehungsrecht der Eltern und die Religionsfreiheit verletze. Der erzieherische Pluralismus sei entscheidend für eine demokratische Gesellschaft. Das italienische Verwaltungsgericht hatte zuvor das christliche Kreuz zu einem Symbol der italienischen Geschichte und Kultur und gleichzeitig zu einem Symbol der Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Toleranz gemacht, wodurch es dann doch irgendwie zum säkularen Staat passen soll. Das wollte der Europäische Gerichtshof so nicht akzeptieren, der erklärte, dass das Kreuz ganz deutlich ein religiöses Symbol sei.

Mixa weist das Urteil des Gerichtshofs nun auch zurück und ruft die Politiker dazu auf, es "schlichtweg zu ignorieren". Das offenbart nun doch eine bedenkliche Einstellung des Bischofs zur Trennung von Staat und Kirche sowie seinem Verhältnis zu rechtsstaatlichen Institutionen. Das Urteil sei "eine Missachtung der europäischen Kultur und eine Verachtung der Menschenrechte". Mixa setzt die europäische Kultur mit dem christlichen Glauben und den christlichen Kirchen in eins: "Wenn wir unsere europäische Kultur nicht selbst zerstören wollen, müssen wir endlich wieder den Grundsatz anerkennen, dass Minderheiten auch in gewissem Maße im öffentlichen Leben die Kultur der Mehrheit akzeptieren müssen."

Atheisten oder Angehörige anderer Religionen müssen in Europa halt beiseitetreten, das Kreuz sei eben nun mal das grundlegendste Symbol der europäischen Kultur, die ganz maßgeblich durch den christlichen Glauben geprägt sei, sagt Mixa. Aber es will ja niemand die Kreuze überall in einem neuen Bildersturm, der übrigens auch religiös motiviert war, entfernen; es geht lediglich darum, ob Schüler in öffentlichen, nicht in reliösen Schulen, zwangsmäßig unter dem Kreuz sitzen müssen. Für Mixa scheint es da jedoch ums Ganze zu gehen. Wenn man das Kreuz aus dem öffentlichen Leben Europas herausnehmen wolle, bleibe, so stellt das Bistum Augsburg seine Äußerungen dar, "vom Geist Europas nur noch ein undefinierbares Vakuum übrig, das mit jeder beliebigen Ideologie aufgefüllt werden könne. Die Anwesenheit des Kreuzes, das ein Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen und ein Symbol der Nächstenliebe sei, als Menschenrechtsverletzung zu deklarieren, sei eine Verachtung der Menschenrechte durch die Straßburger Richter und stelle den Menschenrechtsgerichtshof als moralische Instanz des Europarates in Frage".