Bitcoin: Der nächste Höhenflug nach dem Absturz

Bitcoin Deutschland fürchtet ein Verbot. Die virtuelle Währung beunruhigt Banken und Behörden, die sie "an die Leine nehmen" wollen

Auf über 200 Euro und dann auf über 250 Dollar hatte der Höhenflug die Internet-Währung "Bitcoin" schließlich getragen. Am Donnerstag ist diese deutliche Überbewertung, die viele als Blase sahen, offensichtlich geplatzt. Am späten Donnerstag hatte sich der Wert auf etwa 72 Euro stabilisiert, er ist nun aber schon wieder auf Aufstiegskurs und hat die Marke von 90 Euro klar überschritten.

Der Bitcoin war aber auch am Donnerstag nicht unter den Wert gefallen, den er mit dem Ausbruch der Zypern-Krise erreicht hatte. Mitte März gab es einen starken Ansturm mit dem Tabubruch in Zypern, als die Troika aus EU-Kommission, Internationalen Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) alle Sparguthaben zur Bankenrettung mit einer Zwangsabgabe belegen wollte. In diesem Kontext stieg der Kurs auf über 50 Euro. Zum Jahresbeginn wurde die virtuelle Währung für 13 Euro getauscht, sie war im Juni 2012 allerdings im Rahmen der Spanien-Rettung schon einmal auf knapp 30 Euro geklettert, als in dem Land eine massive Kapitalflucht stattfand.

Unübersehbar ist, dass alle Euro-Krisen bisher den Bitcoin auf immer neue Ebenen getragen haben. Wie im vergangenen Juni, als die Spanien-Rettung auf die Tagesordnung rückte. Der letzte Schock, der sich daraus entwickelte, dass das portugiesische Verfassungsgericht zentrale Sparmaßnahmen für illegal erklärt und damit die Troika ausgebremst hatte, legte die Latte nun eine Stufe höher. Da sich mit Slowenien, Spanien, Italien und anderen möglichen Kandidaten neue Krisenherde auftun oder latent köcheln, sind weitere Höhenflüge zu erwarten.

Aber: Bitcoin fürchtet ein Verbot. "Das größte Risiko, das Bitcoin droht, ist ein Verbot durch die Staaten-Gemeinschaft", erklärt Oliver Flaskämper, Geschäftsführer von Bitcoin Deutschland. Da vielen Regierungen und Zentralbanken die schwer zu kontrollierende Währung ein Dorn im Auge ist, könnten sie die online-Wechselstuben dicht machen und den Händlern die Annahme von Bitcoin-Zahlungen verbieten. Dies würde Bitcoin in den Schwarzmarkt drängen und zu einem deutlichen Preisrückgang führen; dazu meint Flaskämper:

"Bei Privatleuten wird man so ein Verbot nicht durchsetzen können. Da müsste man schon das Internet abschalten."

Fragt sich nur, was man mit einer Währung soll, mit der man nicht einkaufen und die man nur schwer tauschen kann.

Besonders die USA und die EU wollen die Währung "an die Leine nehmen". Die Europäische Zentralbank sprach ausgerechnet bei einer auf 21 Millionen begrenzten Zahl an Bitcoins von einem Schneeballsystem, obwohl nicht unendlich Geld gedruckt werden kann und sie damit quasi inflationssicher ist. Anders als beim Bitcoin lassen Zentralbanken weltweit die digitalen Notenpressen laufen und derzeit sticht dabei Japan besonders hervor.

Auch EZB-Chef Mario Draghi hatte im vergangenen Jahr nichts anderes angekündigt, als er von der Bereitschaft sprach, im Notfall "unbegrenzt" Staatanleihen zu kaufen. Die EZB hat mit der umstrittenen Politik längst 200 Milliarden Euro an Risiken in ihre Bücher verlagert, weil Staatsanleihen von Krisenländern gekauft wurden. Dass Bitcoin-Benutzer die Währung kaufen, sie aber "ihr Geld nur zurückerlangen, wenn sie andere Nutzer finden, die ihre Bitcoins kaufen wollen", wie die EZB meint, gilt zudem für alle Währungen.

Haben wir es mit dem Eingeständnis zu tun, dass wir im großen Euro-Schneeballsystem handeln? Auch der Euro oder der Dollar basieren, seit die Golddeckung aufgegeben wurde, nur auf dem Glauben und Vertrauen, dass man für bunt bedrucktes Papier reale Waren kaufen kann. Die Zentralbanken haben Angst, dass ihr Monopol geknackt wird und ihr Einfluss schwindet. "Eine weit verbreitete Ersetzung von Zentralbankgeld durch eine privat ausgegebene virtuelle Währung könnte die Bilanzen der Zentralbanken deutlich reduzieren, und dadurch auch ihr Vermögen die kurzfristigen Leitzinssätze zu beeinflussen. Die Zentralbanken müssten die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel prüfen, um mit den Risiken umzugehen", analysierte die EZB.

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