Bleib, bleib, bleib noch ein Weilchen

Twister (Bettina Hammer)
Außer Kontrolle

Das BKA behält seinen bisherigen Chef. Ein Wechsel der Führungsspitze könnte die Ermittlungen im Fall der Zwickauer Zelle behindern.

Eigentlich sollte das Bundeskriminalamt (BKA) in diesem Jahr, genauer gesagt in der Mitte des Jahres, einen neuen Chef bekommen. Der Weggang des vielkritisierten Jörg Ziercke, der seit 2004 im Amt ist, wurde von einigen mit Spannung erwartet - nicht nur die Nachfolge, sondern inbesondere die Art und Weise, wie der Nachfolger auch mit inneren Problemen umgehen würde, ist von Interesse.

Jörg Ziercke, der zwar bei jeder Meldung, die nur entfernt mit Terrorismus zu tun haben könnte, nach dem Mikrofon griff und nach mehr Befugnissen rief, war diesbezüglich äußerst wortkarg. Nicht einmal die offenkundige Täuschung eines BKA-Mitarbeiters im Fall der "Militanten Gruppe" (MG) war dem BKA-Chef auch nur einen Satz wert. Im Fall des "Staatstrojaners" plädierte er in üblicher Weise für eine Art Grundvertrauen in seine Behörde. Auch im Fall der "Zwickauer Zelle" hat sich das BKA bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert, eine missverständliche Anordnung führte selbst bei wenig BKA-kritischen Personen wie Wolfgang Bosbach zu Irritationen.

Doch um die Ermittlungen nicht zu gefährden, erwägt Bundesinnenminister Friedrich nunmehr, Jörg Ziercke wenigstens bis Ende des Jahres im Amt zu behalten. Die Frage stellt sich, wieso jedoch die Veränderung der "Führungsspitze" des BKA Ermittlungen behindern sollte. Bei entsprechender Dokumentation aller Vorgänge sollte es für einen Nachfolger kein Problem bedeuten, die Ermittlungsleitung zu übernehmen, zumal die eigentlichen Ermittlungen ja nicht durch ihn selbst, sondern durch die Mitarbeiter des BKA getätigt werden.

Die Aufgabe des BKA-Präsidenten liegt in der Leitung der Behörde, nicht in der Ermittlung, weshalb ein Führungswechsel bei entsprechender Planung (wenn für die Mitte des Jahres der Wechsel geplant war, wäre eine solche wohl selbstverständlich) wenig Probleme mit sich bringen dürfte. Es verwundert daher wenig, dass sich einige die Frage stellen, ob Jörg Ziercke nicht aus ganz anderen Gründen im Amt bleiben soll - ob es weniger darum gehe, die Ermittlungen nicht zu gefährden, sondern darum, etwas zu vertuschen. Gründe für ein solches Misstrauen gegenüber der Behörde hat das BKA, besonders aber Jörk Ziercke, seit Jahren genug geliefert.