Blink Blink Blick im Wald

Neben der Spur

Wir mutieren zum digitalen Organismus. Jedenfalls mit faltbaren Telefonen in der Hand

Kunst in den Niederlanden liest sich derzeit so:

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WERC created a digital organism, inspired by the complex patterns that exist in nature, such as flocks of birds and schools of fish. With Pixi, WERC wants to find out whether a technical natural phenomenon can imitate the complex aesthetics of nature, and whether the installation can interact with that nature.

Eine Künstlergruppe installiert also Pixi in einem naturgeschützten Waldstück, um das Digitale wie natürlich aussehen zu lassen. Oder anders herum, um das Natürliche ein Stück näher an das Digitale zu rücken. Oder banaler: Da hängen eine Menge an digitalen Leuchten im Wald, die einen auf Herde machen. Ich gehe vermutlich in Zukunft mit merkwürdigen Gedanken an einer Kuhweide vorbei, denke mir, die könnten gefälligst auch leuchten, sonst wird das nie was mit der Herdenstruktur. Großstadtmenschen in der Natur halt.

Und das mag auch bei einem weiteren Gedanken der Fall sein. Denn geben wir es zu, da kommt einem doch nur eines in den Sinn: Wieso macht sich WERC überhaupt diese Arbeit und dübelt sich durch ein niederländisches Waldstück, wenn sie an dieser banalen Bushaltestelle die gleiche Installation schon vorfinden kann. Sobald es ans Warten geht, packen an einem Wintermorgen da doch eh alle ihre Smartphones aus und schwirren mit ihren Screens vor dem Gesicht wie die Leuchtkäferchen um das Bushäuschen herum.

Eigentlich müssen wir es endlich zugegeben: Auch das iPhone X ist nichts weiter als eine Schwarminstallation. Wir sind teil eines eher Kunstevents und zahlen die Leinwand dafür auch noch selbst. (und das nicht zu knapp). So gesehen muss man Steve Jobs im Nachhinein wirklich auf die Schulter klopfen und ihn mit einem "geile Performance, Alter" beglückwünschen.

Und WERC sollte vielleicht in Zukunft Bäume in Frieden lassen.

Da passt es doch zu wissen, dass für die Glühwürmchen in uns bald Nachschub droht. Die Gerüchte um Apple lassen ein faltbares iPhone erwarten, eines mit einem energiesparenden Prozessor und neue Wearables. Wenn wir dann en vogue sein wollen, werden wir mit unseren faltbaren Telefonen an der nächsten Bushaltestelle kleine Schmetterlinge nachmachen,wenn wir unseren Bussen hinterher rennen. Huch, wenn das dann nicht wie in einem niederländischen Wald aussieht, weiß ich auch nicht mehr.

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