Blubbernde Lärmschutzwände

Schweinswale, Robben und andere Säugetiere, die das Meer bevölkern, könnten künftig erheblich unter dem Baulärm der Windanlagen leiden. Naturschützer fordern Vorsichtsmaßnahmen

Umweltschützer fordern mehr Umsicht bei der Erichtung von Offshore- Windkraftanlagen in der Nordsee . Extremer Lärm müsse bei der Errichtung der Anlagen soweit wie möglich vermieden werden. Bedroht sind unter anderem die sensiblen Gehörgänge der vor den Küsten lebenden Schweinswale. Besonders die Gewässer vor Sylt und Amrum gehören zu ihren bevorzugtem Aufenthaltsgebiet. Daher wurde dort ein Walschutzgebiet eingerichtet, aber im Juli wurde 80 Kilometer vor der Küste der Lieblingsinsel der Reichen der Gründungspfahl für die Forschungsplattform Fino 3 in den Boden gerammt.

Der Naturschutzbund ( NABU) sowie die Gesellschaften zur Rettung der Delphine und zum Schutz der Meeressäugetiere haben daher am Dienstag einem effektiven Schutz bei allen schallintensiven Arbeiten im Meer gefordert. Explosionen, Rammen, Sonar und seismische Untersuchung würden Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde gefährden. Die Meeressäuger könnten dauerhaft aus ihrem Lebensraum vertrieben werden und gravierende Hörschäden erleiden. Zur Gründung von Offshore-Anlagen sollten daher bevorzugt Schwerkraftfundamente zum Einsatz kommen, für die keine Rammen ein gesetzt werden müssen.

Anlass der Erklärung ist die Vorlage der Messergebnisse von der Errichtung der Plattform Fino 3. Nach Angaben der Umweltschützer sei der vom Umweltbundesamt geforderte Grenzwert für den Einzelereignispegel von 160 dB in 750 m Abstand um zwei dB überschritten. Wäre nicht ein Blasenvorhang um die Schallquelle gelegt worden, hätte der Lärm in der genannten Entfernung gar 174 db betragen. Dies entspricht einer etwa 25-fach höheren Schallleistung.

Insgesamt werten die Verbände die Ergebnisse der Schallmessungen bei Offshore-Rammarbeiten im Wesentlichen als positiv. Die Verringerung des so genannten Breitband-Schalldrucks um bis zu 12 dB durch einen Blasenvorhang verringert die Fläche des Gefahrenbereichs für Meeressäuger um 97%. Die Organisationen verweisen außerdem auf den Bau des belgischen Windparks "Thornton Bank", wo man wegen des Einsatzes von Schwerkraftfundamenten ohne einen einzigen Rammschlag ausgekommen sei.

Dennoch ist man nicht beruhigt. Denn nicht nur die Einzelereignisse dürften berücksichtigt werden. Wenn eine Ramme mehrfach zuschlage, dann addierte sich die Belastung in gewisser Weise. Daher sind die Naturschützer besorgt über die Aussichten „Wenn in den nächsten Jahren (...) tausende Windenergieanlagen im Meer installiert werden, ist allerorten mit enormem Krach zu rechnen. Schweinswale können diesem Lärm dann nicht mehr entkommen“, erklärt Hermann Schultz, Landesvorsitzender des NABU. Die Grenzwerte seien zu hoch und kumulative Wirkungen seien bisher nicht berücksichtigt worden. Innovativere Lösungen zur Vermeidung unnötigen Lärms sollten bei den Bauvorhaben oberste Priorität haben. Bei unvermeidlichem Lärm müssen die bereits mehrfach erfolgreich erprobten Lärmminderungsmaßnahmen zum Einsatz kommen.

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