Börsen: Kurssturz in Fernost

Während die Eurokrise in Europa und Nordamerika für Nervosität an den Finanzmärkten sorgt, braut sich in China schon das nächste Unwetter zusammen

Man mag spekulieren, ob die sture Haltung der Bundesregierung in den Verhandlungen mit Griechenland nun eher ideologische Verbohrtheit von Politikern, deren moralisches Rückgrat durch ein paar neoliberale Glaubenssätze ersetzt wurde, oder zynischem Machtkalkül entspringt, das der bei den Reichen und Mächtigen beliebten Maxime folgt, keine gute Krise ungenutzt verstreichen zu lassen, ohne die eigenen Positionen auszubauen. Jedenfalls reagieren die hiesigen Börsen empfindlich auf das Berliner Machtpoker, und am Horizont, dort wo die Sonne aufgeht, türmen sich bereits neue Wolken auf und künden von womöglich noch viel größerem Unheil.

An den beiden großen Aktienmärkten der Volksrepublik China rauschten am Mittwoch die Kurse kräftig in den Keller, obwohl mehr als 500 Unternehmen den Handel mit ihren Anteilen ausgesetzt hatten. Der Shanghaier Index verlor 5,9 Prozent und an der Börse in Shenzhen gab es ein Minus von 6,8 Prozent. Alle Maßnahmen der Börsenaufsicht und der Regierung in Beijing (Peking), mit der diese die seit Wochen volatilen Kurse zu beruhigen versuchten, scheinen bisher und verpufften. Insgesamt haben die chinesischen Indizes seit dem Juni ein knappes Drittel verloren, hatten sich allerdings zuvor im vorhergehenden Halbjahr mehr als verdoppelt. Für die Anleger halten sich die Verluste somit bisher in Grenzen, sofern sie nicht gerade zum falschen Zeitpunkt eingestiegen sind.

Dennoch sorgt die Achterbahn natürlich für Verunsicherung an den Finanzmärkten. Dabei wurde am Mittwoch die chinesische Nachbarschaft in unterschiedlichem Maße in Mitleidenschaft gezogen: Der Hongkonger Hang-Seng-Index verlor am Mittwoch 5,84 Prozent. Mit einem Minus von 1459 Punkten war das in absoluten Zahlen der größte Verlust seiner Geschichte. In Tokio ging es um 3,34 Prozent nach unten und in Taipeh um 2,96 Punkte. In Seoul und Singapur waren hingegen die Auswirkungen mit -1,18 und -1,67 eher moderat.

Auch der internationale Index für Top-Unternehmen aus der Branche der Erneuerbaren RENIXX, der sich von der Eurokrise bisher wenig hatte beeindrucken lassen, litt unter den chinesischen Verlusten. Am Mittwoch zogen ihn chinesische Titel erstmals seit März wieder unter die Marke von 500 Punkten.