Bombenanschläge in Bangkok

Motiv Uiguren-Abschiebung?

Am 17. und 18. August wurde Bangkok von zwei Bombenanschlägen erschüttert. Bei der ersten Explosion am Erwawan-Schrein gab es mindestens 20 Tote und über 120 zum Teil schwer Verletzte. Beim zweiten Anschlag, der offensichtlich ebenfalls mit einer mit TNT gefüllten Rohrbombe verübt wurde, kamen die auf dem Schiffsanleger Saphan Taksin Wartenden mit dem Schrecken davon.

Bombenanschläge in Thailand werden zumeist aus den unruhigen Südprovinzen des Landes gemeldet, die erst seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts zu Thailand gehören und mehrheitlich von malaiischsprachigen Muslimen bewohnt werden. Als möglicher Hintergrund für die aktuellen Anschläge wurde dieser Konflikt jedoch schnell ausgeschlossen.

Auch der zweite Konflikt, mit welchem sich die Bevölkerung des südostasiatischen Königreichs derzeit abmüht, brachte bislang keinen verwertbaren Ansatz für die Spurensuche. Die Auseinandersetzungen zwischen den als königstreu beschriebenen Gelbhemden und den zumeist aus dem stark agrarisch geprägten bevölkerungsreichen Nordosten stammenden Rothemden, die sich den vormaligen Ministerpräsidenten Taksin und seiner Schwester Yingluck verbunden fühlen, waren seit der Machtübernahme des Militärs im vergangen Jahr nicht mehr offen zutage getreten.

Schnell kam die Vermutung auf, dass mit den Anschlägen die thailändische Wirtschaft und speziell der für das Land sehr wichtige Tourismus geschädigt werden sollte. Die Touristensaison beginnt jedoch erst gegen Ende Oktober. Jetzt ist das Wetter in Bangkok mit den zahlreichen meist kräftigen Regengüssen noch nicht wirklich touristenfreundlich.

Bei der Suche nach möglichen Hintergründen für die nach Aussagen der lokalen Behörden wohl zusammenhängenden Anschläge am Montag und Dienstag geht der Blick inzwischen auf einen Vorfall, der sich im vergangenen Juli abgespielt hatte. Damals hat Thailand 109 männliche Uiguren, die nach Thailand geflohen waren, nach China abgeschoben, während man die zu der Gruppe gezählten uigurischen Frauen und Kinder in die Türkei ausgewiesen hat. Die Abschiebung der Männer nach China und die Trennung der Gruppe hatte vorwiegend bei westlichen Menschenrechtsorganisationen für Unverständnis gesorgt. Gegen einen uigurischen Hintergrund scheint jedoch die Tatsache zu sprechen, dass Uiguren zumindest in China ihre Attentate zumeist mit Messern verübten oder mit Autos in eine Menschenmenge fuhren und somit üblicherweise am Tatort umkamen oder festgenommen werden konnten.

Zumindest beim ersten Tatort, dem Erawan-Schrein lässt sich jedoch hinsichtlich der Opfer eine Verbindung nach China finden. Der dem Hindu-Gott Brahma gewidmete Schrein hat sich zu einem beliebten Ziel bei chinesischen Reisenden entwickelt, die inzwischen zwanzig Prozent der Besucher Thailands stellen. Unweit der Shopping Malls Siam Paragon und Central World darf man sich von einer Spende Glück und Erfolg im weiteren Leben erhoffen.

Seine angeblich Wirkmächtigkeit hatte der Schrein schon kurz nach seiner Errichtung im Jahre 1956 gezeigt. Bevor das aus vergoldetem Gips gefertigte Artefakt aufgestellt wurde, hatte es beim Bau des schon längst wieder abgerissenen Erawan-Hotels so viele Unglücksfälle gegeben, dass sich die Arbeiter weigerten, auf der Baustelle weiterzuarbeiten. Erst mit dem Bau des Schreins endete die Kette der Unglücksfälle.

Am wirkungsvollsten soll der Schrein kurz nach Einbruch der Dunkelheit etwa um 19 Uhr Ortszeit sein. Und genau zu diesem Zeitpunkt explodierte die Bombe. In einem Überwachungsvideo glauben die Behörden in Bangkok einen möglichen Täter entdeckt zu haben. Inzwischen wurde ein Fahndungsbild veröffentlicht, das eine Person zeigt, deren Gesichtszüge eher auf jemanden aus dem Nahen Osten hindeuten könnten.

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