Brille auf die 17, bitte

Walmart trainiert seine Angestellten jetzt mit VR-Brillen. So schön war Tetris noch nie

Der Einsatz von Cutting-Edge-IT, um damit im Business so richtig nach vorne zu kommen, ist ja nichts Neues mehr. Und damit meine ich nicht etwa den Bitcoin. Der leidet ja eher am schlechten Image. Natürlich tauchen diese Tage Emails auf, die damit drohen, Coffee Shops in Amsterdam in die Luft zu jagen, sollte der Adressat nicht dringend eine gewisse Summe in Bitcoin an einen bestimmten anderen Adressaten überweisen. So schauen moderne Horrormärchen aus. Da kann auch der Erwerb einer Kometen-Mining-Firma durch ein Bitcoin-Unternehmen nichts daran ändern. So richtig sexy ist Bitcoin jetzt nicht mehr. "Wir machen jetzt auch in Digitalwährung" kann deshalb heute nur noch auf Augenhöhe mit "Unsere Angestellten dürfen jetzt auch ein iPhone in der Firma nutzen" existieren.

Es muss ein neuer Coolness-Faktor her. Genau: Virtual Reality.

Genau, bei Walmart zum Beispiel. Walmart, einer der coolsten Supermärkte der Erde, das sich vor allem durch ein avantgardistisches Kundenkonzept und hypermoderne Verkaufsflächen hervortut. Du bist nicht cool, wenn Du Deine Wocheneinkäufe nicht bei Walmart machst. Oder so ähnlich.

Genau dieses Walmart-Dings hat nun zur Mitarbeiterschulung eine Menge an billiger Oculus-Brillen angeschafft. So geht Angestellten-Enablement heute: Zum einen muss es ein Wort sein, das aus einem deutsch- und einem englischsprachigen Wort besteht. Und dann muss Virtual Reality mit im Spiel sein. Nur so lernt es sich heute noch zeitgemäß und ganz vorne, wenn man in einem gigantischen Supermarkt arbeiten will.

Um sich das ein wenig vorzustellen, muss man sich das nur einmal im Hinblick auf einen deutschen Supermarkt vor Augen führen. Angenommen, Aldi würde eine paar Dutzend dieser Ramschbrillen bekommen und damit seine Angestellten auf Zack bringen ... Was würde die da sehen?

Genau: lustige Spiele wie das Regal-Füll-Tetris. Mitarbeiter können mittels Handbewegungen herabfallende Pakete und Paletten in die richtigen Regalplätze dirigieren. Der Witz dabei ist, dass die Teile immer schneller vom Himmel regnen und so die natürliche Schlagzahl einer bald bewährten Arbeitskraft erhöht wird. Im Schlaf quasi und wie in einem Spiel. Natürlich gibt es dazu Filialmeisterschaften, und Frau Müller von Kasse 3 soll da schon geradezu Superwomanartige Skills an den Tag gelegt haben. Aber die Competition ist natürlich eine Eigeninitiative der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die nur an Sonntagen privat ausgetragen wird.

Und hat man sich bei Aldi dann erst einmal durch Level 4 beim Semmelaufbacken durchgeschlagen, darf man noch eine Runde Kunden-Fortnite spielen. Dabei kommt es darauf an, dass man sich durch eine virtuelle Filiale schlägt und seine Tasks abarbeitet, ohne ein einziges Mal mit einem Kunden in Berührung zu kommen. Das ist auch ein sehr beliebtes Trainingsprogram bei Baumärkten, habe ich mir sagen lassen.

Virtuell auf seinen Job bei Retailern vorbereitet zu werden ist eine spannende Sache. So kommt man noch schneller auf einen 100% Level im Job. Gut, alles ist nicht simulierbar, will man auch gar nicht. Wenn also ein Lagerhaus – von sagen wir Amazon in Baltimore, also nur einmal angenommen – einstürzt, dann lässt sich das schwer simulieren. Das lässt sich auch scheinbar nicht verhindern. Dazu müsste man das Geld für High-End-Mitarbeiter-Training und -Tracing wohl eher auch ein wenig anders ausgeben. Aber wer will das schon heutzutage.

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