Britische Regierung will Hochschulsektor radikal liberalisieren

Studiengebühren können auf 9000 Pfund erhöht werden, dafür sollen Studenten erfahren, wie schnell und hochdotiert die Studienabgänger Arbeit finden

Der für Universitäten zuständige britische Staatssekretär David Willetts will die Informationen für Studenten über Studiengänge verbessern, was als Ausgleich für die massive Erhöhung der Studiengebühren und die ebenso radikale Kürzung der staatlichen Unterstützung der Unis gedacht sein soll. Da die Studenten, wie Willett unlängst erklärte, für die Steuerzahler eine Last darstellten, sollen sie nun bis zu 9000 Pfund (mehr als 10.000 Euro) jährlich, dreimal mehr als bislang, für das Studium zahlen. Und viele Universitäten wollen auch diesen Höchstbetreg einkassieren, während die Regierung davon ausging, dass die Mehrzahl die Gebühren "nur" verdoppeln würde.

Damit die Studenten bzw. deren Eletern sich im Zuge der Liberalisierung der Hochschulausbildung besser entscheiden können, wo sie das viele Geld investieren wollen, sollen die Universitäten verpflichtet werden, detailliert darzulegen, wie viele der Studenten in den einzelnen Fächern hochdotierte Jobs nach dem Abschluss erlangen, wie hoch das durchschnittliche Einstiegsgehalt der Studienabgänger ist bzw. wie viele überhaupt Arbeit finden oder weiter studieren. Zudem sollen Daten über die Zufriedenheit der Studenten mit Lehre, Dozenten und Ausstattung, über die Höhe der Mieten, die Kursstunden und weitere Kosten veröffentlicht werden.

Studiengänge mit schlechten Ergebnissen sollen so an den Pranger gestellt werden ("named and shamed"). Studiengänge, die bei Unternehmen nicht ankommen, sollen verändert oder gleich ganz abgeschafft werden, geht es nach den Vorstellungen des Ministeriums. Zunächst einmal wird es bei schlecht funktionierenden Studiengängen zu Überprüfungen kommen.

Allerdings sollen Universitäten mehr Studenten aufnehmen können, die weniger als 6000 Pfund Studiengebühren verlangen. Damit könnten zwar dann mehr Studenten etwas billiger studieren, aber die Unterschiede zwischen den Billig- und den Top-Universitäten würden noch größer werden. Geplant ist zudem, die Zahl der privaten Universitäten zu erhöhen oder leichter Partnerschaften zwischen Universitäten und privaten Anbietern zu ermöglichen.

Natürlich hilft dies nicht nur den auf Karriere und hohe Einkommen ausgerichteten Studenten bzw. ihren Eltern bei der Entscheidung und übt Druck auf die um Studenten und Studiengebühren konkurrierenden universitäten aus, das Ministerium will so vor allem auch die Zahl derer begrenzen, die sich verschulden müssen, um ihr Studium zu finanzieren – und den Kredit dann nicht an den Staat zurückzahlen können, wenn sie keinen oder nur einen schlecht bezahlten Job finden. Erst ab einen Mindesteinkommen von 21.000 Pfund jährlich müssen die ehemaligen Studenten ihre Studienkredite zurückzahlen.

Nach der Association of Graduate Recruiters sieht es für Graduierte gegenwärtig nicht so gut aus. Unternehmen erhalten nun durchschnittlich 83 Bewerbungen für einen Job, doppelt so viel wie 2009 und dreimal so viel wie 2008.

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