Britische Schulen: Harte Kerle als Aufpasser gesucht

Zur Beaufsichtung von Klassen sind bei der Abwesenheit von Lehrern als Aufpasser auch ehemalige Marines, Gefängnisaufseher, Türsteher oder Polizisten gefragt.

In Großbritannien wächst nicht nur der Überwachungsstaat, sondern auch die Angst vor den Kindern und Jugendlichen, deren Respektlosigkeit und "antisoziales Verhalten" seit Jahren mit drastischen Strafen geahndet wird. Jetzt wird bekannt, dass britische Schulen Türsteher con Kneipen und Nachtclubs, Wachmänner oder Personen mit militärischer oder polizeilicher Ausbildung suchen, um Klassen zu beaufsichtigen oder eher: zu disziplinieren, wenn die Lehrer krank oder anderweitig verhindert sind.

Wie britischen Medien berichten, wurde auf einer Konferenz der Lehrergewerkschaft über den neuen Trend informiert. Für die Hälfte des Gehalts eines Aushilfslehrers sollen die Aufpasser in den Klassen beispielsweise Aufgabenblätter, die vom abwesenden Lehrer stammen, an die Schüler verteilen und darauf achten, dass sie ihre Arbeit erledigen und sich ansonsten gut betragen. Der Mathematiklehrer Andrew Baisley erzählte den Teilnehmern der Konferenz, welche Vorstellung im Hintergrund der neuen Initiative steht. Es gehe manchen Schulen offenbar um die Kontrolle der Klasse (crowd control): "Um den Job zu erledigen, ist es notwendig, dass sie streng und laut sind." Gut sei es eben auch, wenn sie wie Türsteher und Rausschmeißer groß und stark sind, um die Kleinen und Pubertierenden zu beeindrucken.

Ein Jobangebot in Birmingham lautete so: “Hard core cover supervisors needed now!” Geboten wurde den gesuchten "dynamischen, inspirierenden und harten Aufpassern" zwischen 50 und 70 Pfund täglich. Gefragt waren ausdrücklich "ehemalige Marines, Gefängnisaufseher, Türsteher, Polizisten, Feuerwehrleute, Sportler oder Schauspieler".

Wichtig sei aber, so kritisierte Baisley, dass die Aufpasser auch für den Umgang mit Schülern ausgebildet seien. Zukünftig könnten Aufpasser, auch ungeschulte, wenn sie nur einer Sicherheitsprüfung unterzogen wurden, noch häufiger an den Schulen zu sehen sein, weil nach Angaben der Lehrergewerkschaft die Möglichkeit, dass Lehrer ihre Kollegen vertreten, ab September weiter eingeschränkt werde. Das für die Schulen zuständige Ministerium fordert, dass Schulleiter als Aufpasser nur Menschen mit entsprechender Erfahrung und Ausbildung einstellen sollen. Aufpasser sollen zudem nur kurzfristige Lösungen sein. Und überhaupt gäbe es bald kein Problem mehr, da die Tage des Lehrermangels vorbei seien. Man habe jetzt mehr Lehrer und Aushilfskräfte als jemals zuvor.