Britischer Abu Ghraib-Skandal

Das britische Verteidungsministerium untersucht 33 Fälle von Mißhandlungen an irakischen Gefangenen durch britische Armeeangehörige. Laut Medienberichten, die sich auf Aussagen von Anwälten stützen, könnte die Zahl in die Hunderte gehen

Vieles sieht danach aus, als ob britische Soldaten im Irak ähnliche Misshandlungs-Methoden angewandt haben wie US-Soldaten in Abu Ghraib. Das britische Verteidigungsministerium untersucht nach Medienberichten 33 Fälle, in den Soldaten Misshandlung von Gefangenen, Vergewaltigung und Folter vorgeworfen wird. Nach Aussagen des Anwalts eines Opfers würden die Fälle tatsächlich in die Hunderte gehen. Der Minister of State for Armed Forces Bill Rammell versuchte in einem Radioninterview abzuwiegeln, es gebe keine Beweise für "Misshandlungen durch Armeeangehörige in endemischer Anzahl". Die weitaus überwiegende Mehrheit der 120.000 britischen Soldaten, die ihren Dienst im Irak verrichtet haben, hatte sich nach "höchsten Verhaltensstandards" ausgerichtet.

Demgegenüber erhebt ein Bericht des Independent schwere Vorwürfe gegenüber britischen Soldaten, die in einem "geheimen Einverständnis" Misshandlungen kopiert hätten, die amerikanische Soldaten 2004 in Abu Ghraib begangen haben (siehe Sadistische KZ-Spiele). In britischen Gefangenenlagern im Süden Iraks soll es nach Informationen der Tageszeitung zwischen 2003 und 2007 zu Missbrauchsfällen gekommen sein, die durch die Inszenierung - die Gefangenen mussten sich übereinanderlegen und wurden mit Elektroschocks gefoltert -, sexuelle Übergriffe, Vergewaltigungen und Art der Demütigung, vorgetäuschte Exekutionen, Angriffe von Hunden etc. unübersehbar deutlich an Praktiken in Abu Ghraib erinnern. Dass einige der Fälle erst spät, nach dem Abzug der Briten aus Basra, bekannt wurden, erklärt der Anwalt, der Opfer vertritt, mit der Angst, die viele Iraker zuvor von einem solchen Schritt abgehalten habe.

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