Brüssel und Berlin: Schüler streiken fürs Klima

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Heute gehen in Berlin voraussichtlich Tausende Schüler auf die Straße, um von der Kohle-Kommission einen ernsthaften Vorschlag zu verlangen. Doch dort liegt der Entwurf eines faulen Kompromisses auf dem Tisch

In Brüssel haben am gestrigen Donnerstag 32.000 Schüler und Studenten für effektiven Klimaschutz demonstriert, schreibt der Spiegel. Das war dort bereits die dritte derartige Demonstration in drei Wochen. Es begann mit 3.000 Teilnehmern, letzte Wochen waren es 15.000.

Die belgischen Schüler folgen damit einer Initiative der Stockholmer Schülerin Greta Thunberg, die seit dem vergangenen Sommer jeden Freitag vor dem dortigen Parlament sitzt und einen "Schulstreik für das Klima" durchführt. Nur am heutigen Freitag nicht. Da ist sie im Schweizer Davos, um auf dem Weltwirtschaftsforum den Mächtigen dieser Welt ins Gewissen zu reden.

"Einige Menschen nehmen sich das Recht heraus, das verbleibende Kohlendioxid-Budget künftiger Generationen und von Menschen in den ärmeren Teilen der Welt zu stehlen", schreibt sie auf Twitter als Kommentar zu einer Nachricht, dass die in Davos Versammelten mit rund 1.500 Privatjets angereist sind, um unter anderem über den Klimawandel zu debattieren. Thunberg ist aus Stockholm mit dem Zug nach Davos gefahren.

In der Schweiz und Deutschland hatte es letzte Woche, wie berichtet, ebenfalls Schülerstreiks gegeben. Rund 30.000 Menschen beteiligten sich hierzulande in über 50 Städten. Am heutigen Freitag gibt es eine Fortsetzung.

Anlass ist das vermutlich letzte Treffen der Kohlekommission. Vor deren Tagungsort, im Berliner Bundeswirtschaftsministerium, soll es heute Mittag eine große Schülerdemo geben, zu der Busse aus allen Teilen der Republik anreisen. In rund 100 deutschen Städten gibt es inzwischen Regionalgruppen der neuen Schulstreikbewegung.

Von der Kommission ist in den vergangenen Tagen der Entwurf eines Abschlussberichts durchgesickert. Der zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er kein festes Datum für das Ende des letzten Kohlekraftwerks vorsieht. Verschiedene entscheidende Daten sind noch strittig, darunter wie viel Kraftwerksleistung jeweils in bestimmten Etappen abgeschaltet werden soll. Vorgesehen ist aber bisher, dass auch 2030 noch ein Teil der Braunkohlekraftwerke laufen wird.

Der Bericht erwähnt zwar, dass die Treibhausgas-Emissionen im nächsten Jahrzehnt halbiert werden müssen. Legt dies aber letztlich nicht als Messlatte an die vorgeschlagenen Maßnahmen an.
Nach den Zahlen des Umweltbundesamtes werden hierzulande jährlich rund 900 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) und andere Treibhausgase emittiert, die ihrer Wirkung entsprechend in CO2-Äquivalente umgerechnet werden.

Rund 35 Prozent davon kommen aus den Kraftwerken, und zwar ganz überwiegend aus den Braunkohle- und Steinkohlekraftwerken. Je weniger dort reduziert wird, desto mehr müsste an anderer Stelle geschehen. Zum Beispiel bei der Industrei, die für 21 Prozent der Emissionen verantwortlich ist, oder beim Verkehr, auf dessen Konto 19 Prozent gehen.

Doch davon ist nicht die Rede und in beiden Sektoren sind die Emissionen zuletzt wieder gestiegen. Mit anderen Worten: Das Ergebnis der Kommission wird völlig unzureichend sein, und man sollte hoffen, dass sich die beteiligten Wissenschaftler und Vertreter von Umweltschutzverbänden nicht auf einen faulen Kompromiss einlassen. Schon gar nicht, wenn es nicht einmal eine Garantie gibt, dass die Zerstörung von Dörfern und des Hambacher Forstes aufhören.

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