Bundesarchiv veröffentlicht Loriots militärische Personalakte

Ein Dienstvorgesetzter bei der Wehrmacht lobte bereits 1943 die "ausgesprochene mimische und darstellerische Begabung" des "hervorragenden Unterhalters"

Am 22. August starb Bernhard-Victor von Bülow alias Loriot, der neben Gerhard Polt und Harald Schmidt wichtigste deutsche Fernsehkomiker des 20. Jahrhunderts. Weil Loriot das Pech hatte, 1923 in Brandenburg geboren zu sein, musste er den größten Teil des Zweiten Weltkrieges bei der Wehrmacht verbringen, was man seinem späteren Werk (bis auf Opa Hoppenstedts Musikvorlieben) allerdings kaum anmerkt.

Nun veröffentlichte das Bundesarchiv die noch erhaltene militärische Personalakte Loriots. Interessant an dem zehnseitigen Dokument sind vor allem zwei Beurteilungen, in denen unter anderem zu lesen ist, dass Loriot ein "verschlossener" und "charakterlich nur schwer erkennbarer Mensch", dabei aber trotzdem "lebhaft und temperamentvoll" sei. Negativ werden eine "leichte Überheblichkeit", ein Hang zur Kritik an Vorgesetzten und ein "noch nicht ausgeprägtes Taktgefühl" angemerkt. Der junge Offizier trete zwar "vor der Front straff auf", in der "Führungstechnik" fehle ihm aber noch die Praxis.

Der ersten Beurteilung vom 5. April 1943 bescheinigt ein Vorgesetzter dem späteren Komiker weiterhin, über eine "ausgesprochene mimische und darstellerische Begabung" zu verfügen und ein "hervorragender Unterhalter" zu sein, der sich im Kameradenkreis einer ausgesprochenen Beliebheit erfreut. Als zusammenfassendes Urteil erhielt Loriot in beiden Fällen trotzdem nur ein "durchschnittlich". In der zweiten Beurteilung vom 23. März 1944 heißt es sogar, er gebe "sich Mühe, bei Anleitung unter Einsatz seiner Person die ihm gestellten Aufgaben zu erfüllen" – heute wie damals ein Euphemismus.