Bundesbank unterstützt höhere Lohnforderungen

Auslöser ist die Angst vor einer Deflation

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Jens Ulbrich, plädiert für höhere Lohnzuwächse in Deutschland. Garniert werden die "ungewöhnlichen Aussagen" (FAZ) mit einem Lob für die "sehr verantwortungsbewusste Lohnzurückhaltung" der Gewerkschaften in den letzten Jahren. Nun rät Ulbrich dazu, in in den anstehenden Tarifauseinandersetzungen "den volkswirtschaftlichen Verteilungsspielraum aus Produktivitäts- und Preiszuwächsen voll auszuschöpfen".

Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann soll diese Auffassung teilen. Woher rührt die in ihrer Deutlichkeit überraschende Unterstützung der Bundesbank für die Gewerkschaften?

Wem die Ausführungen des keynesianisch orientierten Ökonomen Heiner Flassbeck bekannt sind (vgl. "Der Arbeitsmarkt ist keinKartoffelmarkt"), der muss nicht lange suchen: Es ist die Angst vor einer wachsenden Deflation. Bei Ulbrich wird das, wie die FAZ schreibt, "durch die Blume" ausgedrückt. Hinter der Warnung vor zu niedrigen Gehaltserhöhungen steht nämlich genau diese Sorge: Dass sich angesichts einer Jahresinflationsrate von zuletzt nur 0,5 Prozent im Euroraum das "Gespenst der Deflation" erheben könnte.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), geht noch über die Forderungen Ulbrichs hinaus:

Wenn man eine längerfristige Perspektive einnimmt, kann die Lohnentwicklung auch für ein, zwei Jahre über den Verteilungsspielraum hinausgehen.

Die Reallöhne von mehr als der Hälfte der deutschen Arbeitnehmer seien in den vergangenen 15 Jahren gefallen, so Fratzscher. Jetzt beginnt das Aufwachen?

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