Bundespräsident Wulff hat die akzeptable Grenze überschritten

Mit dem Versuch, die Presse unter Druck zu setzen und die Pressefreiheit zu behindern, ist Wulff endgültig unhaltbar geworden

Der deutsche Bundespräsident Wulff ist offensichtlich ein Schlitzohr. Vermutlich würde jeder so handeln, der kraft seiner Funktion und seiner Netzwerke ein Schnäppchen macht und nicht die Konditionen tragen muss, die normalen Bürgern auferlegt werden. Man kennt sich, man hilft sich, man macht nichts Böses, man gewährt kleine Gefälligkeiten.

Aber auch ein Ministerpräsident sollte seine Finger von solchen Gefälligkeiten, dem Beginn der Korruption, lassen. Das konnte Wulff offenbar nicht, aber er scheint auch immer realisiert zu haben, seitdem die Amigo-Wirtschaft in den Blick der Öffentlichkeit rückte, dass er dies besser nicht getan hätte und/oder dass der zinsgünstige Kredit mit Sonderbedingungen bei dem befreundeten Unternehmer und dann bei der BW-Bank nicht ganz in Ordnung war.

Anstatt aber einfach sich mal hinzustellen und einzuräumen, Mist gebaut zu haben, versucht der Bundespräsident seine Haut zu retten, indem er durch scheinbare, Schritt für Schritt erfolgende "Transparenz" die Vorwürfe zu entkräften sucht, sich mit Rechtsanwälten schützt und möglichst vermeidet, dazu Stellung zu nehmen. Das ist verständlich, aber das kann und sollte kein Bundespräsident machen, der damit die gesamte Kaste der Politiker und zudem das Amt in Misskredit führt.

Wenn nun herauskommt, dass der Bundespräsident Wulff mit Drohungen die Bild-Zeitung zu hindern suchte, die Öffentlichkeit über seine Kredite in der Zeit der Finanzkrise zu informieren, dann ist dies schlicht dreist. Wulff hatte auf der Handy-Mailbox von BILD-Chefredakteur Kai Diekmann mit strafrechtlichen Konsequenzen für den Fall einer Veröffentlichung gedroht und auch bei Mathias Döpfner, dem Vorstandschef der Axel Springer AG, die Berichterstattung verhindern wollen.

Das weist aber darauf hin, dass Wulff Schaden befürchtete, weil die Angelegenheit eben nicht so sauber war, wie er dies offiziell seitdem hinstellen will. Mit dem Versuch, in der Funktion des Bundespräsidenten die Presse unter Druck zu setzen und damit die Pressefreiheit zu unterdrücken, ist Wulff nun allerdings endgültig zu weit gegangen. Um das Amt des Bundespräsidenten vor weiterem Schaden zu schützen, sollte er zurücktreten - und demonstrieren, dass er Anstand besitzt, indem er die lebenslange fürstliche Rente von 200.000 Euro jährlich nicht in Anspruch nimmt. Dürfen wir dies erwarten? Freiwillig wohl nicht. Armes Deutschland, arme Politik.

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