CIA führte trotz gegenteiliger Behauptung Chomsky-Akte

Nach dem Freedom of Information Act freigegebenes Memo des Geheimdiensts an das FBI erbringt Beweis

Noam Chomsky ist ein bekannter Linguist am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Noch bekannter ist er als Kritiker der US-Regierung. Das war bereits in den 1970er Jahren so, als der damalige Präsident Richard Nixon in Vietnam Krieg führte. Bislang hatte der US-Auslandsgeheimdienst CIA auf Anfragen hin stets bestritten, Chomsky zu beobachten oder beobachtet zu haben. Allerdings geschah dies mit der etwas unscharfen Formulierung, man habe zur Person auch nach intensiver Suche keine Akten gefunden.

Nun hat die Zeitschrift Foreign Policy enthüllt, dass diese Behauptung (zumindest im weiteren Sinne) nicht der Wahrheit entsprach: Das Magazin gelangte über eine Anfrage nach dem Freedom of Information Act (FOIA) beim Federal Bureau of Investigation (FBI) an ein Dokument, das beweist, dass sich der offiziell nur für das Ausland zuständige Geheimdienst in den frühen 1970er Jahren durchaus für den 1928 in Philadelphia geborenen US-Staatsbürger interessierte und Material über ihn sammelte.

Konkret handelt es sich bei dem Dokument um ein auf den 8. Juni 1970 datiertes Memo der Central Intelligence Agency an das FBI. In dem Schreiben lässt sich die CIA über Chomskys Engagement gegen den Vietnamkrieg aus und verlangt vom (damals noch von J. Edgar Hoover geführten) FBI Aufklärung über eine geplante Reise des Linguisten nach Nordkorea. Unter anderem sollte die US-Bundespolizei damals alle verfügbaren Informationen zu allen Personen herausgeben, die man mit dieser Reise in Verbindung brachte.

Athan Theoharis, ein auf die Kooperation zwischen FBI und CIA spezialisierter Historiker an der Marquette University in Milwaukee, sieht das Memo als Beweis dafür an, dass der Geheimdienst damals eine Akte über Chomsky geführt haben muss – selbst wenn diese als einzigen Eintrag das Schreiben vom 8. Juni enthielt. Theoharis glaubt aufgrund der späteren offiziellen Auskünfte der CIA, dass die damals angelegte Akte aus dem Archiv in Langley entfernt wurde. Aus welchen Gründen und auf wessen Weisung hin dies geschah, ist bislang nicht bekannt, obwohl der Federal Records Act von 1950 alle US-Bundesbehörden verpflichtet, eine Genehmigung beim Nationalarchiv einzuholen, wenn sie Akten von potenziell historischem Wert vernichten wollen. Aktuelle Medienanfragen dazu lässt der Geheimdienst noch unbeantwortet.

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