CIA und ISI: Partner mit völlig unterschiedlichen Zielen?

Dem pakistanischen Geheimdienst soll es bei der Gefangennahme von Taliban-Führern mithilfe von CIA-Spezialisten vor allem darum gegangen sein, jegliche Annäherung zwischen verhandlungsbereiten Taliban und der Regierung Karsai zu verhindern

Abdul Ghani Baradar "entspannt" in pakistanischem Gewahrsam, heißt es. Um den Taliban-Führer herum gibt es allerdings viel Wirbel.

Zur Erinnerung: Die Gefangennahme des Mullahs, der als rechte Hand des Taliban-Führers Mullah Omar galt, wurde Anfangs des Jahres als spektakulärer Erfolg der CIA im Verbund mit dem pakistanischen Geheimdienst im Kampf gegen die Taliban gefeiert. Jüngste Informationen relativieren diesen Erfolg allerdings. Stimmt der Bericht , den der bekannte New York Times-Reporter Dexter Filkins heute veröffentlicht, dann war die Gefangennahme des Top-Mannes ein gelungener Coup des pakistanischen Geheimdienstes, um wichtige Verhandlungen zu vereiteln.

Der Bericht stützt sich auf Quellen innerhalb des pakistanischen Geheimdienstes ISI, US-Kreise und Nato-Kreise. Demnach war der pakistanische Geheimdienst federführend in der Operation und die CIA-Abhör-und Lokalisierungsspezialisten nur Handlanger, die sich etwas naiv für das Interesse der pakistanischen Seite einspannen ließen. Der ging es vor allem darum, die vorsichtigen Bande, welche die Regierung Karsai mit verhandlungsbereiten Talibanführern geknüpft hatte, zu zerstören, weil Pakistan in den geheimen Friedensgesprächen ausgespart war. Als starkes Indiz dafür wird u.a. angeführt, dass der Gefangenahme des Mullahs Baradar eine Welle von Festnahmen wichtiger Talibanführer folgte, insgesamt 23, die seit Jahren "unter den Schutz" der pakistanischen Regierung standen. Die Friedensgespräche fanden in der Folge ein rasches Ende...

"Wir standen am Anfang der Verhandlungen, beide Seiten begannen zwar mit extremen Forderungen, aber wir hatten das Gefühl, dass es eine Bereitschaft zum Frieden gibt", kommentiert ein ungenannter afghanischer Repräsentant. Pakistans Geheimdienst, so unterstellt der Artikel aufgrund seiner Quellen, hatte seit längerer Zeit Kontakt mit Baradar, und verschonte ihn.Die Verhaftung sei ein Signal der ISI an die Taliban gewesen: "Keine Flirts" - ohne pakistanische Beteiligung...

Klar wird aus dem Fall wieder einmal, dass das Machtgeschacher in Afghanistan viele Filialen mit sehr unterschiedlicher Zielsetzung kennt, im Großen, was die geopolitischen Interessen der Nachbarländer angeht, wie im Kleinen, was die Machtverhältnisse in den kleineren Orten betrifft. Erfolgsaussichten, wie sie etwa derzeit General Petraeus - natürlich in aller Vorsicht - beschreibt, sind demgegenüber wenig verlässlich.

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